Montag. Der Krieg wird immer dreckiger. Grausame Bilder aus Butscha – einem Vorort von Kiew – gehen seit gestern um die Welt. Inzwischen sind 300.000 ukrainische Flüchtlinge in Deutschland angekommen. Auch im „Amt“ haben wir ab dieser Woche mehrere Kinder aus der Ukraine. Die Armen haben furchtbare Wochen hinter sich, kein Zuhause mehr, Ungewissheit über ihre im Krieg kämpfenden Väter und müssen noch dazu eine fremde Sprache lernen. Von ihren alten Schulen werden sie weiterhin im Fernunterricht beschult, wie lange noch, weiß niemand. Sie können sich sicher sein, dass hier alles für sie getan wird, damit sie und ihre Familien erstmal zur Ruhe kommen. Wieviel sinnvoller ist das, als immer neue Waffen in ihr Land zu pumpen …
Wenn ich T. und E. ansehe, erfasst mich so eine Mischung aus Stolz und Betroffenheit. Sie haben lange gesucht und sich gefunden. Am WE waren wir zusammen essen. T. ist so sicher in dem, was er sagt und vor allem in dem, was er nicht sagt, so feinfühlig, dass es mir immer wieder die Sprache verschlägt.
PM ist angespannt. Heute kommt eine alte Freundin, sie setzt alle Hoffnung auf ihn, und er ist nervös und möchte die Erwartungen erfüllen, helfen, gerade in diesem Fall.
L. ist so weit weg. Fotos von ihr zeigen ein Katamaran vor einem breiten, menschenleeren Strand. Woher hat sie den Mut? Die Eigenständigkeit? Die Abenteuerlust? Stolz und Angst – die Kehrseite macht mich immer demütig.