Themawechsel

Dienstag, Diano Marina. Durch die Wolkendecke schimmert er bruchstückhaft, zeigt sich scheibchenweise wie eine rätselhafte Diva, ehe nach einer Ewigkeit sein volles Rund vom Himmel leuchtet. Breitet dahinten auf dem Meer seinen Goldteppich aus wie eine Einladung, mit dem Champagnerglas in der Hand dem Horizont entgegenzuschreiten.
Der Nachtwind tut ein Übriges, der salzige Geschmack auf den Lippen, das ferne Lachen von Kindern auf Trampolins, das rhythmische Aufschlagen der Wellen.
Auf dem Tisch: Brot, Käse, Schinken, Sekt, Tomaten, frisches Pesto, Limoncello natürlich und ligurische Teilchen. Wir sitzen zu viert auf unserer Terrasse – Anne, Jacek, PM und ich –, lecken uns die klebrigen Finger und können das Schauspiel nicht in Worte fassen. Muss ja auch nicht. Wir reden über früher, auch noch, als wir längst zur Mitternachtswanderung in die benachbarte Bucht mit den tausend Lichtern gestartet sind. Themawechsel!, ruft Jacek. Ich will aber noch mehr wissen über Ausreiseanträge, Fluchtversuche und das Ankommen im sog. goldenen Westen. Jedes Mal erfahre ich Neues. Unsere Vergangenheiten sind nicht kompatibel, die drei haben mir Erfahrungen voraus, die ich nicht einholen kann, auf die ich seltsamerweise auf die gleiche Art eifersüchtig bin wie auf längst vergangene Frauengeschichten.
Wir versuchen den Mond zu fotografieren. Mein Smartphone verpasst ihm Strahlen, wo in Echt keine sind, ähnlich den Scheinwerfern auf der Autobahn. Dem Mond ist das egal, er ist immer derselbe, wie sehr wir uns auch abstrampeln …