Freitag. 22 Leute, das ist ja direkt Schulklassenstärke!, fällt mir mitten in der Nacht ein. Schweißausbruch, Gedankenkarussell, auf jeden Fall kein Weiterschlafen mehr.
Den Tag verbringen wir mit letzten Putz- und Verschönerungsaktionen im und ums Haus. Danach Großeinkauf. Morgen ist Familientag. Ich freue mich drauf und denke, dass alles klappen wird. PMs Soljanka ist schon fertig und duftet durchs ganze Haus. Heute Abend noch die Dipps und Salate vorbereitet – ich habe eine To-Do-Liste und liege gut in der Zeit.
Dann der Anruf: meine liebe L ist mit dem Lchen und dem Tchen und zwei Freunden auf der Werra unterwegs. Sie bekommt einen Migräneanfall, in der Panik und Unruhe kentert irgendwie das Boot.
Sie schicken uns ihren Standort im 30 km entfernten Treffurt. PM und ich fahren los. Das bringt nun unsere ganze Logistik durcheinander, entsprechend schweigsam verläuft die Fahrt. Bis wir sie gefunden haben, vergeht fast eine halbe Stunde: Da stehen sie in Handtücher gehüllt mitten in der Pampa wie die heilige Familie mit ihrem ganzen durchnässten Campinggepäck und bibbern. L. ganz elend und krank, kann sich kaum aufrecht halten.
Fünf Leute zusätzlich im Auto? PM ist massiv dagegen, trotzdem machen wir es so. Inzwischen habe ich zwei freie Hotelzimmer ausfindig gemacht, nicht ganz einfach, weil das WE mit Brückentag die Touristen nur so strömen lässt. Wir setzen sie direkt davor ab, drei erwachsene und zwei kleine tropfende Gestalten, bei deren Anblick sich mein Herz zusammenzieht (und ich mich einmal mehr ärgere, dass die Schlafcouch noch nicht da ist). Im Gegenzug bekommen wir die Campingausrüstung und einen riesigen Reisesack voller patschnasser Klamotten von fünf Personen überreicht.
Damit bin ich die nächsten 2 Stunden beschäftigt. Die Sachen sind nicht nur nass, sondern schlammig und müssen vor der Wäsche ausgespült werden. Insgesamt drei Fuhren, heute Nacht um 1 Uhr wird die letzte zum Trocknen rausgehängt.
Ich bin ein bisschen wütend, am meisten auf mich selbst, weil ich es nicht einfach bleiben lasse. Und trotzdem bin ich vor allem froh. Dass sie uns anrufen, wenn sie in Not sind. Ist doch irgendwie schön. Und morgen muss eben alles etwas zackiger gehen …