Zahnlos

Montag. Das neue Ökobewusstsein und die neue Nachhaltigkeit, mit denen Konzerne derzeit ihre Werbekampagnen schmücken, sind zu einem Statussymbol geworden für Leute aus der Ober- und oberen Mittelschicht. Wer sein Bewusstsein dahingehend aufrüsten möchte, kann zum Baum-Yoga nach Korfu fliegen oder mit Moms Einkaufs-SUV für ein verlängertes Wochenende und 1350 € ins Öko-Spa an den Tegernsee brettern. So bleibt das Gewissen ungebleicht rein. Deshalb ist es einfach nur großartig, wenn Thunberg den Slogan und die von ihr initiierte globale Bewegung Fridays for Future als Marke registrieren lässt. Nur so kann sie den kommerziellen Missbrauch verhindern, etwa, dass ein Autokonzern ein SUV-Modell unter dem FFF-Label vermarktet, oder dass FFF-Wochenendtrips von Reiseveranstaltern verkauft werden. Die Zielgruppe der Werbeökologie ist klar umrissen. Das Konsumverhalten auch: Wegwerfmode ist gerade nicht so à la mode, es darf ruhig ein bisschen teurer sein. Der Klimaschutz der Hochglanzmagazine zeigt sich zahnlos und super vermarktbar. Samtweich passt er sich in das System des nicht weiter hinterfragten Konsumkapitalismus‘ ein.