Ein Mal

Mittwoch. Wenn der Bürgermeister von Trier mit anklagendem Blick in die Kamera sagt: Ich verstehe nicht, wie man einen Van gezielt in Menschen fahren kann!, dann verhält er sich genauso wie die Medien, die unisono seit dem schrecklichen Vorfall nach dem WARUM fragen: Warum tut einer so etwas?
Zur Sache: Ein Mann hat gestern wahllos und brutal Passanten in der Fußgängerzone von Trier an- und überfahren, fünf dabei getötet, 18 weitere schwer verletzt und mehrere Hundert zufällige Augenzeugen für ihr Leben traumatisiert. Er fuhr einen SUV der Marke Land Rover, der ihm nicht gehört. Da er keinen Wohnsitz hat, lebte er seit Wochen in dem Auto.
Allein diese Tatsache hätte doch ausgereicht, sich über einen Mitmenschen / Bruder / Nachbarn / Freund ernsthaft Sorgen zu machen. Wem hilft jetzt die Feststellung, dass er wohl psychisch krank sei, weiter? Natürlich ist einer, der so einen Plan durchzieht, psychisch krank, viele Menschen sind psychisch krank, es werden immer mehr. Brave new world. Jeder ist eine Insel. Der Einzelne zählt nichts. Solange er funktioniert, konsumiert, nicht auffällt, passiert ihm nichts. Wer austickt, gar Aufruhr / Kosten / Schäden verursacht, kommt weg. Und morgen redet keiner mehr von ihm, und übermorgen setzt sich der nächste in sein Auto und gibt Gas. Wenigstens ein Mal im Leben. Egal wo. Egal, wen es trifft.