Donnerstag. Mit den Bildern von den Gräueltaten von Butscha sind die 27 Millionen durch die deutsche Wehrmacht getöteten Russen endgültig aus dem historischen Gedächtnis / Gewissen gelöscht. Ist ja auch schon verdammt lange her. Schluss mit der Zurückhaltung in der deutsch-russischen Beziehung, sie wird ab sofort als antiquiert gewertet. Entsprechende Uminterpretation erfährt das Konzept Wandel durch Annäherung, das von führenden Politikern plötzlich als fehlgeleitete Idee abgetan wird. Die völlig sinnlosen, brutalen Morde in Butscha beantwortet unsere Regierung mit noch mehr innenpolitischem Beschuss. Die meisten Deutschen befürworten das und haben ein gutes Gefühl dabei.
Die neue Sehnsucht nach Aufrüstung ist auf die deutsche Zivilbevölkerung übergesprungen: „Aufgrund der schweren Menschenrechtsverletzungen durch den geistesgestörten Putin lehnen wir grundsätzlich die Behandlung russischer Patienten ab“, schrieb die Direktorin der Universitätsklinik München in einem offiziellen Schreiben.
Man glaubt an einen sehr schlechten Scherz, doch das geschieht in der Mitte unserer Gesellschaft.
Manchmal scheint es, als wollten die Deutschen den russisch-ukrainischen Krieg gewinnen, endlich einmal, nach zwei verlorenen Weltkriegen. Koste es, was es wolle.