Mittwoch, Eisenach. Und zwischen Handwerkern und Baumarkt beinahe täglich Treffen mit Freunden:
Das Montagsbier in Tovs Garten unter Sternenhimmel und hohen Bäumen; bei R. & Ch. in Gotha, die ihr Schicksal tragen und sich ihm – wie auch immer – widersetzen; mit T. & A. an unserem wackeligen Tischchen im Hof oder mit Markus & Ursel im Restaurant. Für zwei Tage sind sie extra aus Ahrweiler hergekommen und haben zwei Schränke mitgebracht.
Die Nachbarn verfolgen das Treiben ihrer neuen Mitbewohner und denken sich ihren Teil: Wenn Tov mit original DDR-Schwalbe samt Seitenwagen die Auffahrt hochknattert und einen Tag später R. & Ch. mit ihrem chromblitzenden Oldtimer und noch einen Tag später Markus den Lieferwagen samt Anhänger um die parkenden Autos herumsteuert. Dasselbe Kunststück dann Frieder mit Sohn. Und wieder einen Tag darauf die knirschenden Reifen von W.s Porsche (auf dem Beifahrersitz B., die seine Leidenschaft für Aida-Reisen und Luxuskarossen teilt und nach jahrzehntelangem Warten … aber das ist eine andere Geschichte).
Sind wir angekommen? Wir versuchen es. Wir kaufen Badematten und Küchenutensilien und reinigen zum x-ten Mal ein paar Messer, Flaschenverschlüsse, Alessischüsseln, die die Flutkatastrophe überlebt haben. In den Ritzen und Scharnieren immer noch hartnäckiger Ahr-Schlamm – kleine, ramponierte Wahrzeichen aus der Vergangenheit.
Unsere Küche steht schon, sie ist einfach nur toll. Einen wunderbaren, alten Bücherschrank von beeindruckendem Ausmaß haben wir von Frieder geerbt. Vor einer Woche hat er ihn mit seinem Sohn hergebracht und PM hat gleich seine Bücherkisten geleert. Er hat wieder Bücher – von Reinhard übernommen – und räumt sie ein und ehrt das Erbe des Bruders und ist glücklich über Remarque, Zweig und viele schöne Erstausgaben.
Wir versuchen es. Wir reiben uns verwirrt die Augen. Wir starren auf die Wartburg, die tagsüber von der Sonne und nachts von Scheinwerfern (wie lange noch? …) angestrahlt wird. Wir fragen uns, wie sich zu Hause anfühlt und ob wir jetzt zuhause sind. Wir schlafen viel. PM hat Alpträume, dass er aus seinem Haus in der Ahrallee nicht mehr rauskommt. Ich arbeite: Gestern großartiges Interview mit einem jungen Unternehmer. Es gibt so beeindruckende Menschen. Und ich darf sie kennenlernen. An den digitalen Raum als Begegnungsort muss ich mich erst noch gewöhnen. Neue Zusage von einem bekannten Musiker – riesige Freude. Zu dem gehe ich dann aber analog!
PM und ich haben die seltene Chance, noch einmal von vorne zu beginnen. Packen wir’s an …