Alles neu

Mittwoch, Eisenach. Neue Arbeitsstelle, neues „Amt“ – alles sehr anders, manches schräg. Zum Beispiel, wie hier aktiv der Religionsunterricht verhindert wird. Hab mich schon entsprechend angelegt, aber bloß nicht zu sehr …
Ab nächste Woche ist regulär Unterricht, jetzt nur eine sog. Vorbereitungswoche. Heißt: Konferenzen und Fortbildungen, nun ja … Die Kolleg*innen hier haben Sitzfleisch. Drei oder auch mal sechs Stunden mit nur einer Pause macht ihnen nichts aus. Als ich einmal zu meiner Nachbarin sage, ich kann gar nicht mehr stillsitzen, guckt sie mich irritiert an und fragt: Wieso?
Zu Fuß den ganzen Weg vom Veranstaltungsort nach Hause zurückgelaufen, das hat gutgetan.
PM macht viel Gartenarbeit, die ja in unserem neuen Zuhause eher Waldarbeit ist. Ein Ende nicht absehbar, das Grundstück ist irre groß. Zum Glück haben wir freundliche und kompetente Helfer.  PM fährt weiterhin hin und her, arbeitet in seiner Klinik in Bad Neuenahr an drei Tagen die Woche.
Eingewöhnung? Ich lasse es mir offen. Dafür arbeite ich so viel. Dass ich mir zwei Wohnorte leisten kann.
Die Lösung für eine funktionierende Beziehung, jedenfalls für Leute wie mich, die 24/7 auf einer Nebenspur mit ihrer kreativen Arbeit unterwegs sind: getrennte Wohnungen. Jetzt leben wir plötzlich zusammen und niemand weiß, ob wir dafür geeignet sind. Die Zeit wird es zeigen, ich lasse mich nicht unter Druck setzen.
Nach dem Montagsbier bei Stefan gegen Mitternacht noch zu M. und S. mit nach Hause gegangen. M. beherbergt über 500 LPs und doppelt so viele Bücher in den hohen Räumen ihrer schönen Altbauwohnung. Ist einfacher Bühnenarbeiter beim Stadttheater, aber belesen wie ein Professor. Ich glaube, solche Biografien gibt es nur im Osten.
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