AugenBlicke

Dienstag. Manche Krankheiten sind so hässlich wie das Wort selbst. Zum Beispiel Glaskörperabhebung. Das ist etwas sehr Doofes. Ich sehe Blasen, einen dicken Tropfen und jede Menge Flusen, als stünde ich vor einer verdreckten Glasscheibe, die mir mächtig die Sicht versaut.
Ganz besonders nervt, wenn ich face to face mit jemandem rede, und dauernd flitzt dieser Tropfen über das Gesicht des anderen. Weil der mitgeht mit jeder kleinsten, beschissenen Augenbewegung. Seitdem weiß ich, wie oft man seine Augen bewegt. Das strengt dermaßen an, den Tropfen nicht zu sehen, weil ich ihn nicht sehen will, aber er ist immer da, dass ich ungeduldig und ungehalten werde. Der andere weiß nicht warum, er sieht ja nichts. Ich sehe aus wie immer, aber ich sehe ganz anderes als bisher. Und das bleibt jetzt so.
Gewöhnen Sie sich daran!, sagt die Augenärztin, die sich viel Zeit nimmt und ganz begeistert ist, weil sie den Tropfen auch sieht mit ihrer Supertechnik superdicht an meinem Auge. Sie sagt, das heiße mouches volantes. Ich glaube ihr nicht, ich glaube, sie hat die falsche Krankheit entdeckt. Ich sage zu ihr, das sieht aber gar nicht aus wie Fliegen. Sondern eher …
Die Augenärztin hält mir ein Blatt hin, da steht alles drauf. Die Augenkrankheit ist beschrieben und mit mehreren Skizzen veranschaulicht. Sie hat einen ganzen Stapel davon kopiert, sie sagt: Das haben viele, das ist nicht schlimm.
Das tröstet mich aber nur ein ganz kleines bisschen. Ich will sie nicht und ich will mich nicht an Tropfen und Flusen gewöhnen.
Wenn ich eine Sonnenbrille aufsetze, sind sie fast weg. Vielleicht ein Argument für dieses Dolce & Gabbana-Modell in diesem einen Optikerladen … hatte ich ja schon fast vergessen …