He Jiankui macht den Zeus

Freitag. In China wurde erstmals menschliches Erbgut manipuliert. Der chinesische Arzt He Jiankui präsentierte vor einer Woche in Hongkong stolz die Ergebnisse: Die Zwillinge Lulu und Nana seien gesund auf die Welt gekommen, nachdem er bei ihnen gezielt ein Gen bearbeitet habe, nämlich jenes, das entscheidend für die Ansteckung mit HIV ist. Bei der künstlichen Befruchtung beider Eizellen sei das als Genschere bekannte Protein Crispr-Cas9 mit injiziert worden. Der Vater der Babys ist HIV-positiv. Endlich!, könnte man sagen, sind die Kinder nicht länger den Krankheiten der Eltern ausgeliefert. Endlich ist es gelungen, das Unterworfensein unter Krankheit und Tod zu durchbrechen. Endlich

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Sag was

Donnerstag. Der nervt mich schon, seit der hier existiert, mit seinem Gehampel und Geplärr, und ich brauche für diese Sache doch jetzt Ruhe. Warum macht der das? Warum merkt der Hornochse nichts? Und warum nervt mich das so? Warum, warum? Falsche Frage. Warum sag ich nichts? Okay, ich sag was. „Muss sowieso“, grinst er und rempelt im Vorbeigehen fast das Regal um. Warum nicht gleich? Warum hab ich nicht gleich was gesagt? Jetzt habe ich was gesagt und bin davon gestresst. Jammere im Stillen vor mich hin und tu mir leid von wegen Rücksichtnahme ist auch nicht mehr und so.

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25 km/h

25 km/h ist ein sehr schöner, entspannter, stellenweise lustiger Film. Auf die leise Art lustig. Deep genug, um nicht für einfach gestrickt zu gelten. Das sieht PM zwar anders, aber (heimlich) gelacht hat er auch. Ich habe schon immer gefunden, dass Kinos, wie Klos, nach Männern und Frauen getrennt sein sollten: Rechts die Agententhriller, links die Beziehungskomödien/-tragödien. Anschließend trifft man wieder zusammen auf ein Glas Wein, wobei ein Thema vermieden werden sollte: Die gerade geschauten Filme. Nichts ist abtörnender als mündliche Inhaltsangaben von Filmen, die du selber nicht gesehen hast. 25 km/h ist ein Beziehungsfilm. Es geht um die Beziehung

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Land in Sicht

Die Fotos und Copyrights meiner Interviewpartner*innen sind alle beisammen. Was noch fehlt, sind die Vitas. Gestern kam der erste Entwurf des Layouts. Guter Schrifttyp, die Überschriften sind in einem anderen Typus und mittig gehalten. Mir gefällt, dass der Verlag diese Abläufe so demokratisch gestaltet. Was nach Endspurt aussieht, zieht sich aber noch. Der Rücklauf der Kapitel wird bis Februar gehen, und das Einarbeiten der Korrekturen nimmt mir niemand ab. Heute Abend kommt PM …

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Doppelmoral

Freitag. Man hat es sowieso nicht geglaubt, als Merkel gestern vom Lieferstopp für Waffenexporte nach Saudi-Arabien sprach. Und heute hören wir es: Das Embargo gilt nur für zwei Monate. Der saudische Prinz hat Narrenfreiheit. Sei es der zerstörerische Krieg im Jemen, die Entführung des libanesischen Regierungschefs oder der Mord an einem unliebsamen Regierungskritiker, Menschenrechtsverletzungen pflastern den Weg des MbS. Und wieso auch nicht? Für keine seiner Gräueltaten zieht der Westen ihn zur Rechenschaft. Die Regierungschefs und ihre Außenminister flattern ein bisschen mit den Flügeln, doch sie kehren schon wieder zum Alltag zurück, als sei nichts gewesen. Wofür dann die Aufklärungsarbeit?, fragt

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Frage

Donnerstag. Was, wenn du deinem ehemaligen Folterknecht, sagen wir, auf der Straße, begegnest und du erkennst ihn erst nicht, weil er jetzt einen Geckenbart trägt und seine Bäckchen blitzen so blank daraus hervor, dass du an ein Riesenbaby denken musst, und der zwinkert dir zu, als wollte er sich die Mittagszeit mit einem Pläuschchen vertreiben, und, so what!, warum nicht mit dir?

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Deal

Mittwoch. Mit zweien, die nicht gelernt haben zu schreiben, die damit über die Jahre irgendwie durchgerutscht sind, einen Deal abgeschlossen. Per E-Mail schicken sie mir jeden Tag Texte, Inhalt egal, und ich schicke sie mit Fehleranalyse und dem entspr. gramm. Regelwerk versehen wieder zurück. Bisher funktioniert es. Der eine entwickelt, ausgehend von einem Impuls-Satz, eine Fantasy-Reisegeschichte, die mich an In achtzig Tagen um die Welt erinnert. Der andere schreibt kleine Reflexionen über sich und das Leben. Sie können eigentlich doch schreiben. Wenn mal einen Tag nichts kommt, hake ich nach und provoziere sie mit Fragen. Jeder kann doch irgendetwas, schreibt

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Langer Tag

Dienstag. Bis halb vier morgens korrigiert. Zweieinhalb Stunden gepennt (als ob!), Weckerklingeln und dann zehn Stunden Dienst im „Amt“. Einmal fast eingeschlafen. Abends bei Sudoku und Die Höhle der Löwen die Work-Life-Balance (ha!) wiederhergestellt. Es gibt Tage, da bist du froh, wenn sie vorbei sind.

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Blick aus dem Fenster am Morgen

Montag. Eine geputzte Fensterscheibe, eine fertige Arbeit, eine neue Glühbirne, eine nie getragene und neu entdeckte Bluse, frisch lackierte Nägel, ein warmes Bad … kleine Auferstehungen. „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich …“ On y va!, Monsieur Sartre …

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