Corona Diary / Arbeiten

Freitag. Bei den abendlichen Spaziergängen mit Christiane oder Mecki halten wir uns auf dem Laufenden. Nächste Woche: Termin bei meinem ersten Interviewpartner für mein neues Buchprojekt. Den die liebenswürdige Christiane mir vermittelt hat. Nächste Woche ist auch die Aufzeichnung beim Schwäbischen Tagblatt für die Reihe „Tagblatt Gutenachtgeschichten mit Tübinger Autoren“. Ich werde aus meinem jüngsten Buch Lass uns über den Tod reden lesen.

Im „Amt“ läuft der Betrieb mit angezogener Handbremse. Das ist nicht, was es sein sollte. Geteilte Gruppen, Mundschutz, streng geregelte Ein- und Ausgänge, überhaupt Vorschriften ohne Ende – muss sein, ich weiß ja, nervt aber trotzdem. Einerseits sind alle froh, dass es wieder losgeht, dass uns ein Stück Normalität zurückgegeben wird. Andererseits ist die Stimmung depri wegen der Ungewissheit.
Die Medienvertreter*innen, die das „Amt“ höchstens von ihrer eigenen Schulzeit kennen, weshalb sie sich samt und sonders als Expert*innen fühlen, nerven jetzt mit ihren Forderungen nach Digitalisierung im pädagogischen Betrieb. Als ob! Die Coronakrise deckt doch einen ganz anderen Mangel auf: Wie entspannt, wie angstfrei sich plötzlich mit den kleinen Lerngruppen arbeiten lässt, wie gut die Zeit uns tut, die durch den runtergefahrenen Lehrbetrieb zur Verfügung steht. Sie ist bitter nötig, damit aus Wissen Verstehen wird. Wir haben sie aber normalerweise nicht. Mit Grausen denke ich daran, wenn wieder alle auf einmal kommen, das Geschrei von 1300 Jugendlichen, die Hektik der vollen Stundentafel, die abgebrochenen Gespräche, das Gedränge in den Gängen, im Kopierraum … Zu wissen, was falsch läuft, und es doch nicht ändern können, das ist auch deprimierend.