Corona Diary / Bunt

Sonntag, B.N. Bolsonaro habe seine Infektion wohl nur vorgespielt, wird jetzt gemunkelt: Weil er schon nach zwei Tagen so prächtig rekonvaleszent in die Fernsehkameras grient und sich auch schon wieder mit wichtigen Leuten trifft, so um dem Volk zu demonstrieren, wie harmlos das Corvid 19 Virus eben wirklich sei und nichts weiter als eine kleine Grippe.
Freitag Abend beim Essen im Bell’s weist Markus uns auf seine neueste Errungenschaft hin: Einen riesigen Baum in einem riesigen, quadratischen Metallkübel. Er zeigt uns Fotos von der Aktion, wie das Monstrum vor wenigen Tagen hier in den Innenhof reingekommen ist: Mit einem Kran über die Mauer hinweg.
Markus plant mit beiläufiger Geste: Hier will ich einreißen und da ’ne Mauer hochziehen, das muss alles raus, dafür kommt das hier rein (übers Display gewischt und zack!, Foto von einer italienischen Trattoria), der Seitenraum geht mir auf die Nerven, da fehlt noch die Technik, und in die Halle gehört ein Kamin … Das nächste Mal ist alles da: Die versetzte Mauer, die Trattoria-Theke, der Beamer samt elektronisch gesteuerter Leinwand, der Kamin. Das Bell’s bleibt nie stehen, das fasziniert mich.
Längst hätte Markus PMs marodes Haus gekauft und auf den neusten Stand gebracht. PM und ich sind zu ängstlich. Projekte dieser Art denken wir nicht mal, geschweige denn, dass wir sie umsetzen. Wir haben in diese Richtung keine Visionen.
Das Bell’s ist für Corona-Verhältnisse sehr gut besucht: Einheimische und Gäste in bunter Mischung. Obwohl die Corona-Vorschriften streng eingehalten werden, ist es gemütlich wie immer, ein paar Leute sind da, die wir kennen, und ich fühle mich ein bisschen wie im Urlaub. Urlaub ist ja dieses Jahr nicht. Wir fahren für zwei Wochen nach Eisenach, PM hat eine ganze Villa angemietet, weil unsere Kinder für ein paar Tage dazukommen. Ich freue mich drauf. Was die Zukunft angeht, bin ich für viele Möglichkeiten offen.
Ich habe zu tun, Korrekturen ohne Ende, Konferenzen ohne Ende, das „Amt“ fordert wie jedes Jahr seinen letzten Kraftakt.
Inzwischen hört man von Langzeitfolgen der Corona-Infektion. Manche Betroffenen sind geschwächt, haben Gedächtnisstörungen, erhöhten Blutdruck, keine Geschmacksnerven mehr, Herz- und Gefäßschäden. Man hat sich an die täglichen News gewöhnt. Das Virus ist da. Es wird auch noch eine Weile bleiben. Und wenn es weg ist, wird ein anderes kommen. Das bringt die Globalisierung mit sich: Ist alles so schön bun- öhm, billig hier …