Corona-Diary / Fernbeziehung

Donnerstag. Fernbeziehungen sind so ein Zwischending. Du hast jemanden im Kopf, aber wenn es hart auf hart kommt, nicht an deiner Seite. Sie sind ein Abstandhalter, sie halten dich vom Alltag ab. Wäscheberge, schlechte Laune, liebloses Outfit siehst du selbst, aber der andere nicht. Deshalb sind Fernbeziehungen so ein bisschen Fake. Sie sind die ewige Sonnenseite: Wochenende, Urlaub, Telefongespräche. Auf Dauer ein bisschen schizo. Fernbeziehungen entstehen meistens durch äußere Bedingungen. Vielleicht passt das anfangs so mit dem Abstand, wenn die Sache länger geht, ist er dem Zusammenwachsen jedoch nicht besonders zuträglich. Der Gewöhnung allerdings auch nicht. Wie ist doch die Liebe so ein seltsam Ding. Vielleicht gibt es nach der Coronakrise weniger Fernbeziehungen. Weil sie sich im Sand verlaufen haben, weil man irgendwann gar nicht mehr wusste, wie der andere aussieht. (Hey, drei Tempi in einem Satz!) Oder weil man sich ans Single-Dasein gewöhnt hat. Oder aus Fake wird Echt und Schluss mit Zwischending. Das geht dann aber erst nach der Krise. Und die soll, wie man heute hört, ja noch ziemlich lange dauern.