Dienstag. Den Vormittag in Warteschleifen verbracht: Gesundheitsämter, Stadtverwaltung, WTG-Behörde, Nebenstellen, Heimaufsicht …
Die Mutter besuchen geht nur mit Terminvorgabe, gesetzlich vorgegebenem Abstand, Plexiglasscheibe zwischen Besucher und Heimbewohner, Mundschutz, AUFSEHER –
Was? Es ist wie im Krieg, sagt meine Mutter, und das ist das Schrecklichste, dass diese Maßnahmen bei den Alten die Traumata von Flucht und Verfolgung triggern. Überwachung, Maßregelungen, das alles erinnert eher an Knast als an Seniorenresidenz. Bei der Aussage „Sie bekommen am Samstag sowieso keinen Termin mehr“ sehe ich kurz rot, doch die Diplomatie siegt und ich werde zum kreidefressenden Wolf.
Derweil kommt vom Gesundheitsamt die Bestätigung, dass mir der Besuch am Fenster meiner Mutter – wie schon einmal – nicht verboten werden könne. Die Heimleitung sieht das anders, nun bin ich gespannt …
Nachdem ich noch einmal mit dem Pfleger gesprochen habe und wir uns verabschieden, vergisst der sein Handy auszuschalten. Na, das hör ich mir jetzt doch direkt mal an!, denke ich ganz investigativ. Und dann sagt der total liebevoll, so, drehen Sie sich mal um, und jetzt das Bein anwinkeln …
Alles klar, der junge Mann legt jemandem die Windeln an, und freundlicher und zugewandter kann man es kaum machen. Ich schäme mich über mein Misstrauen. Als ich später wieder am Telefon hänge, mit einem anderen Pfleger diesmal, erzähle ich ihm die Geschichte und bitte ihn, seinem Kollegen meine Hochachtung auszurichten.
Vielleicht klappts auch deshalb plötzlich mit dem Samstagstermin. Egal. Es wird so viel gemeckert. Dabei machen viele Altenpfleger*innen einfach nur einen richtig guten Job.