Montag, B.N. Trump hat den Schuldigen ausgemacht: Hartnäckig spricht er vom Chinesenvirus. Er kolportiert das Gerücht, das Virus entspringe einem chinesischen Forschungslabor in der Nähe des Viehmarktes von Wuhan, der bisher als Ursprungsort von Covid-19 galt. Eine neue Variante der Kalten Krieges: Warum den seit Monaten schwelenden Handelskonflikt zwischen den beiden Supermächten China und USA nicht durch Virus-Fake-News befeuern?
Heute waren die Geschäfte zum ersten Mal seit dem Lockdown wieder offen. Es dürfen immer nur zwei bis vier Leute rein, in manchen bekommt man am Eingang eine Maske überreicht. Alle Leute haben gute Laune, lächeln und blinzeln in die Sonne. Kaum aus meinem (hiesigen) Favorite Shop Clara raus, in der einen Hand die volle Tüte, in der andern ein Kuchenpaket balancierend, hupt es hinter mir. Es ist PM, der früher fertig ist und zur Bank muss. Ich hole noch Blumen für D., bei der ich morgen zum Kaffee eingeladen bin, zusammen fahren wir nach Hause. Noch niemals bin ich PM zufällig auf der Straße begegnet. Ein Gefühl, als würde ich richtig hier wohnen…
Dabei waren wir am Samstag in Eisenach ein Haus angucken. Meinen wir das ernst?, ich weiß es nicht. Wir wissen es wohl beide nicht. Anschließend waren wir bei Tini und Asse auf der Terrasse, von der aus man einen Blick über Eisenach und das Johannistal hat, dass du dich geradewegs in einen kitschigen Heimatfilm gebeamt fühlst. Du siehst auf die Dr.-Kleist-Villa und auf all die anderen traumhaft schönen Villen, und im Hintergrund der Thüringer Wald, der aber leider wie alle Wälder von der Trockenheit und dem Borkenkäfer geschädigt ist.
Das Problem der Trockenheit verschwindet hinter der Coronakrise, dabei ist es die viel größere Sache. Aber man kann nicht alles Schlimme auf einmal im Blick haben, und heute sehe ich gar nichts davon.