Freitag, B.N. Wenn jetzt irgendein Promi erzählt, dass er während der Coronakrise zugenommen habe, dann hört man sich das nicht an, weil dieser Typ einen großartig interessiert, sondern weil er sein privates Problem zu einem öffentlichen macht, indem er eine Sache thematisiert, die gerade viele angeht. Aus dem gleichen Grund guckt man zu, wenn eine Gesellschaftslady sich vor laufender Kamera in ihrem Badezimmer die Haare färbt. Niemand kommt gerade zum Friseur, und mal sehen, wie die den Farbpinsel ansetzt und ob die das besser draufhat als man selbst.
Das Wort Privatfernsehen bekommt plötzlich eine neue Bedeutung. Auf fast allen Sendern wird der private Corona-Alltag ganz normaler Leute in ihren ganz normalen Wohnungen gezeigt, wie sie zusammen Gemüse schneiden oder allein in der Garagenwerkstatt Sachen austüfteln, für die sie sonst keine Zeit haben.
Wir machen unseren Abendspaziergang durchs Städtchen. Wir drücken unsere Nasen an den Schaufenstern und Kneipenfenstern platt. Wir haben heute viel geschafft, PM in der Klinik und ich am Schreibtisch, das ist ein gutes Gefühl, aber noch besser wäre es, jetzt hier irgendwo mit D. und M. bei einem Bier zu sitzen und gemeinsam über den Tag zu quatschen.