Freitag, Diano Marina. Tage voller Harmonie, einer wie der andere für die Ewigkeit gemacht: der volle Mond über dem Meer, die Nacht, die das Wellenplätschern durch die offene Balkontür trägt, leicht gebauschte Vorhänge und der Morgen danach in Blau, Gelb und Grün mit Blick auf das zum Greifen nahe Meer. Ein neuer Tag, eine neue Nacht undsoweiter, so lange, dass es sich ewig anfühlt.
Darf es einem so gut gehen? Yes! Das kalte Poolwasser strömt über meine Haut, indem ich mit langsamen Zügen meine Runden drehe, zehn pro Tag, wie ich es mir vorgenommen hatte, danach in die warme Sole mit den göttlichen Massagedüsen. Ich halte meine immer noch defekte Schulter davor, erst die eine, dann die andere, gesunde. Das ist unvergleichlich viel besser als die sechs obligatorischen Physiotermine auf Kassenrezept.
Wir bummeln durch die Stadt, ich zeige PM, was ich mir ausgeguckt habe, und er guckt streng: Nicht diese Jeans, sagt er, die steht dir nicht! Die Bluse und der Hoodie, knallgelb beides, dagegen finden seine Zustimmung, ich lasse mir die Sachen einpacken und zahle und lasse die kleine Lederjacke zurücklegen und lege den Finger auf die Lippen. Die Verkäuferin grinst und versteht.
PM ist so entspannt, dass er anfängt zu singen, das rührt mich irgendwie fast zu Tränen. In einem Laden treffen wir A., auch sie macht sorgsame Vorauswahl, bevor sie zuschlägt, so kaufen wir Deutschen, denke ich. Die Liegestühle sind noch frei, wir legen uns in die Sonne, wo jeder bis zum Nachmittag seinen Gedanken nachhängt. Ich lese Der letzte Sommer in der Stadt von Gianfranco Calligarich, wiederentdeckter italienischer Kultroman aus den Siebzigern, der nach heutigen Kriterien zu machohaft, zu wehleidig, zu breitbeinig daherkommt, und trotzdem zieht er mich rein in das Rom der Hippies und Nichtstuer (ein bisschen wie es mir Gisela Getty für mein Buch Lass uns über den Tod reden erzählt hat: Auch sie gehörte zu dieser römischen Bohème-Szene, bis sie mit Paul Getty zusammenkam und das Drama seinen Lauf nahm.)
PM hört Captain Beefheart, später Unscharf mit Katze, das neue Album von Element of Crime, J. hört Frank Zappa, und A. dreht ihre Liege der Sonne zu.
Wir bestellen Cappuccino und Espresso auf Italienisch, weil uns die liebenswürdigste aller Bedienungen seit vielen Jahren geduldig korrigiert (Wiedersehen mit heftiger Umarmung). Dann hören wir Eros Ramazotti und Tina Turner im Duett – sozusagen für heute das perfekte Lied. Der Tag ist immer noch blau, gelb und grün, wir dösen und überlegen, wie es weitergeht, mit dem Tag und mit uns, und das Meer ist jetzt türkis oder eher petrolfarben.