Welt der schönen Bilder

Dienstag, B.N. Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Orinoco. Nächste Station: Ciudad Guayana, doch der Hafenmeister verweigert dem Schiff die Landung und gleich auch Weiterreise. Der Grund ist unklar, vielleicht hat er einfach keinen Bock auf teutonischen Touristenandrang. Das Schiff wirft Anker mitten auf dem Fluss. Das sieht sehr seltsam aus, finden wohl auch die Einwohner. Neugierig nähern sie sich in ihren Booten, erst nur einzelne, dann immer mehr. In Paddel- und Motorbooten umkreisen sie den weißen Riesen. Eng beieinander hockende Männer, Frauen, Alte und Babies winken und lachen. Sogar Musik haben sie mitgebracht – eine Party auf dem Wasser. Die alte Frau strahlt, als habe sie so etwas Wundervolles noch nie gesehen: Ein gigantisches weißes Schiff voller weißer Touristen. Zum Heulen schön ist das, wie sie sich freut. Ohne Misstrauen. Sie will nur eins, diese Fremden begrüßen, dafür ist sie rausgefahren. Sie lacht wie ein Kind, und ich habe so kitschige Gedanken, wann ich das letzte Mal so gelacht habe und dass ich immer auf mindestens zwei Ebenen gleichzeitig denke und fühle. Ganz schön nervig, dieser permanente kognitive Transfer, dieser Zwang zur Differenziertheit – oder betreibe ich jetzt schon wieder mind fucking? Davon hat die Alte keine Ahnung, sie sieht freundlich aus und sehr würdig. Die Touristen sind verärgert wegen der nicht stattfindenden Landung, andere haben Mitleid mit den armen Eingeborenen und werfen Sachen über die Reling. Niemand trifft, die Sachen fallen ins Wasser. Blitzschnell setzen die Boote sich in Bewegung, um sie herauszufischen. Der Kapitän ist sauer, er will dieses Werfen nicht, über Lautsprecher mahnt er an, die Würde der Menschen zu achten. Die Boote treten den Rückzug an, die Touristen haben das Zwischenspiel schnell vergessen, auf dem Deck gibt es ein Barbecue, und das nächste Ziel ist Trinidad.