Corona-Diary / Dramatische Entwicklung

Sonntag. Eine Tür nach der anderen schließt sich.
Das „Amt“ steht am Montag noch einmal für alle offen – ein einziger Tag, um einen bisher unvorstellbaren Weg für die kommenden fünf Wochen einzuleiten. Ab Dienstag nur noch digitale Wissensvermittlung …
Ob es was bringen wird, um die exponentielle Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, kann man nur hoffen, wissen tut niemand nichts: Nach dem heutigen Tag steht fest: Deutschland entscheidet sich für die Shut-Down-Option. Dafür gibt es gute Gründe. Es gibt auch welche dagegen. Das Robert-Koch-Institut hat sich noch vor zwei Tagen gegen präventive Schulschließungen ausgesprochen. Öffentliche Statements von renommierten Virologen liefern bis heute Argumente dafür und dagegen. Gewissheit haben wir nicht. (Boris Palmer auf fb)
Gestern Morgen um 8 Uhr stellt T. mir zwei Kisten voller Lebensmittel vor die Tür. Die Schlange sei einmal quer durch den ganzen Kaufland gegangen, sagt er, guckt müde und freut sich, dass ich mich freue.
Die Kisten sind zwei riesige Überraschungseier: Vegane Frikadellen, Paradiescreme mit Erdbeergeschmack, Kartoffeln, Gemüse, Obst, Nudeln und – wie hat er das geschafft? – Klopapier. Sogar mit Blümchen. Wo doch die Regale dieser Sparte in sämtlichen Supermärkten der Welt gähnende Leere aufweisen. Noch nie sind meine Küchenfächer dermaßen reich bestückt mit Vorräten gewesen. Aber mit dem „Amt“ schließt auch die Cafeteria, und selber Kochen ist wieder angesagt. Danke Dir, mein lieber, fürsorglicher T.
Meine liebe L. ist in Köln dem Problem viel heftiger ausgesetzt als wir in Ba-Wü. Wir können uns derzeit nicht sehen, das ist bitter. Und die Humanismus-Veranstaltung, in deren Anschluss ich zu L. und Familie fahren wollte, wird wohl nach der gestrigen Bekanntmachung – Absage aller Veranstaltungen – ins Wasser fallen: „Wir werden jegliche Veranstaltungen im Kölner Stadtgebiet bis einschließlich 10.4.2020 untersagen“, sagte Stadtdirektor Stephan Keller am Samstag im Rathaus. „Dieses Verbot gilt auch für Gottesdienste und sonstige Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften.“ Geschlossen würden auch alle Kinos und Theater sowie Discos, Clubs und Bars, die Musik und Tanzveranstaltungen anbieten.
Sehr, sehr traurig und schade (die ganze Arbeit umsonst!).
Auch für die Veranstaltung im Tübinger Zimmertheater am 1. April kam gestern die Absage. Für die im Hirsch sogar schon letzte Woche. Evtl. verschoben, wer weiß das schon …
PM ist müde und gehetzt. Von seinem freien Wochenende in Tübingen hat er kaum was, zumal schlechte Nachrichten von seinem Vater noch dazukommen. PM steht mittendrin im Geschehen. Den Landes-Pandemieplan hat er auf seine Klinik aktualisiert, er ist getrieben von den Ereignissen, die niemand fassen kann. Die Anweisungen von Spahn bereiten Ärzte und Kliniken auf eine dramatische Entwicklung vor.