Corona Diary / Es geht weiter

Donnerstag. Leere Straßen, leere Restaurants, leere Theater und Kinos. Als Kulturmensch brauche ich aber diese Dimension des gegenseitigen Austausches. Jetzt schon fühle ich mich eingesperrt und als tue ich was Verbotenes, rauszugehen und mit Leuten zu quatschen. Das Virus ist in unseren Gehirnen angekommen.
T. hat mir eine lange Mail geschickt, die mich zum Weinen gebracht hat. Mein wunderbarer Sohn. Nüchtern bringt er die aktuelle Analyse des Robert-Koch-Instituts auf den Punkt, ermahnt mich streng, möglichst in meinen eigenen vier Wänden zu bleiben, findet tröstende Worte für diese Selbstbeschränkung und bietet mir an, für mich einkaufen zu gehen. T. als Sohn zu haben, ist ein großes Geschenk.
Er hat nochmal eine andere Sicht auf die Pandemie, weil E. als Italienerin in viel größerem Ausmaß betroffen ist (was wohl an den vielen chinesischen Arbeiter*innen liegt, die in der italienischen Mode- und Textilindustrie – unter sehr prekären Verhältnissen – beschäftigt sind).
T. und E. wollen heiraten. Bei unserem Lieblingsitaliener (wir haben mehrere) letzte Woche hat er es mir gesagt. War schon den ganzen Abend so aufgedreht, und dann ist er damit rausgerückt. Ach, wie schön! Wie schön! Das sind die Momente, wo ich merke: Das Leben geht weiter, und es geht gut weiter.
Vielversprechendes Gespräch mit dem Literaturagenten gestern. Er hätte gerne ein paar Änderungen am Manuskript. Ich nicht. Der Verlag will dann nochmal was verändern, und dann ist es durchgeändert und hat nichts mehr mit mir zu tun. Deal: In einer Woche nochmal verhandeln, bis dahin wird er die Sache mit seinen Agentur-Kolleginnen besprechen (Frauenliteratur!).