Es kommt ein Zug …

Samstag. Ein Abteil für mich allein, Voodoo Child (Hendrix), Love Street (The Doors), Too Old To Rock’n’Roll, Too Young To Die (Jethro Tull), die vorbeiziehenden Burgen und Wolf Haas‘ Verteidigung der Missionarsstellung – das ist Entspannung pur. Ich drehe auf, lege die Füße hoch, esse bulgarische Käsekringel, die es seit neuestem in der Stuttgarter Bahnhofshalle zu kaufen gibt, trinke Buttermilch und schaue aus dem …
bis in Bingen doch noch einer reinkommt. iPhone aus, schlagartig fängt es zu regnen an, nach der Loreley hört es wieder auf, aber es bleibt grau und unfreundlich und ich wünschte, der Typ würde sich wieder verkrümeln, aber er hat sich wie ein Baby zusammengerollt und schnarcht. Die letzte Seite von Missionsarsstellung wirkt in mir nach – ich bin irgendwie unentschieden. „Die originellste Liebesgeschichte in deutscher Sprache seit Goethes Werther“, lässt sich Denis Scheck in Druckfrisch hinreißen. Denis Scheck hat sie nicht mehr alle. Gleich kommt Koblenz, wo ich heute aussteigen muss wegen Gleisbauarbeiten, ich ziehe schon mal den Reißverschluss meiner Tasche zu, der Typ blinzelt mich schläfrig von unten an, und über den Rhein fliegt ein Leuchten. Das ist die Sonne, die ganz plötzlich am Himmel steht und gleich, gleich steht PM auf dem Bahnsteig …