Exploding Star

Donnerstag. Auf dem Etui steht es ganz understatementmäßig in kleinen, weißen Lettern: Dolce & Gabbana. Die Sonnenbrille selbst schmückt das Logo kaum sichtbar auf der Innenseite des einen Bügels. Sie sieht uneingeschränkt großartig aus, irgendwie amerikanisch – und gehört nun endlich mir!
Da liegt sie an meinem Platz und stiehlt mit ihrem exotischen Design den banalen Gegenständen um sie herum die Show, doch meine Freude ist getrübt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das liegt an meinem rechten Auge. Außer den Flusen und Blasen kommt seit heute Morgen noch ein explodierender Stern dazu, jedesmal, wenn ich die Augen öffne. Ein abenteuerliches Ding. Im ersten Moment denkst du: Wow!, was für eine Sinnestäuschung, im nächsten weißt du, dass das jetzt bleibt. Im besten Fall. Was noch alles kommt, liegt im Dunkel. Kollegin S. erzählt mir gerade (ich bin im „Amt“), sie habe einmal aus dem Nichts heraus die Welt wie durch ein Prisma gesehen, das ganze Bild geometrisch zerstückelt. Sie habe totale Panik geschoben. Dieser Zustand habe etwa zehn Minuten angedauert. Zehn Minuten können verdammt lang sein, sagt Kollegin S. In der Augenklinik habe man ihr Problem auf ihre Migräne zurückgeführt. Das glaubt sie aber nicht, weil sie bei Migräne Sichtfeldeinschränkungen hat und nicht Prismazerstückelung.
Mit solchem Schlamassel ist man rein auf sich gestellt. Keiner kann dir wirklich helfen. Du musst allein damit fertig werden, du musst dir eine Strategie überlegen. Du merkst auf einmal, dass du deinen Körper nicht mehr im Griff hast. Eine komplett neue Erfahrung. Du malst dir aus, dass es nicht nur das Auge, sondern das Gehirn ist. Dann wird’s richtig gruselig.
Es ist jetzt nicht mehr so, oder nicht mehr nur so, dass ich die Sache von der lustigen Seite nehme. Dolce & Gabbana ist okay und super und alles. Aber mein Auge macht mir Angst.