Gemüse gerettet

Sonntag. Wieso liegen die überhaupt noch im Kühlschrank? Wann habe ich die gekauft? Nur wegen dem leichten Gammelgeruch, der mich beim Öffnen des Kühlschranks umweht, werde ich auf die Möhren aufmerksam. Die sind vom Markt. Vor welcher Ewigkeit war ich auf dem Markt? Ich ziehe die Papiertüte aus dem Fach, da ist wohl nichts mehr zu machen, schütte den Inhalt ins Spülbecken und entdecke Potential. Der schnell herbeigezauberte Schäler versagt nur bei den ganz weichen Exemplaren, die mittelweichen spielen mit und lassen sich waschen, putzen, schneiden. Etwa zwei Drittel landet im Topf, das andere Drittel im Mülleimer. Ich habe das befriedigende Gefühl, Gemüse gerettet zu haben. Erst durch Kopfeinschalten wird mir klar, dass mein Gefühl sich ohne Berechtigungsschein einschleicht. Die Vernichtung eines Drittels wiegt die Wiedergutmachung am anderen Teil nicht auf. Wenn ich es doch nur früher … Statt der schnellen Stullen und dem ewigen Rührei …
Obst und Gemüse ereilt dieses Schicksal nicht selten bei mir. Ich kaufe und vergesse es, um es im allerallerletzten Moment doch noch zu verarbeiten. Warum das so ist, weiß ich nicht. Manchmal komme ich mir selbst nicht auf die Schliche.
Beim nächsten Kühlschranköffnen ist der Geruch immer noch da. Ganz unten ganz hinten entdecke ich eine Biozitrone. Auf der einen Seite braun, auf der anderen grün. Rettung ausgeschlossen.
Ich muss mein Leben ändern.