Mittwoch. Jetzt also auch die Klimaaktivisten: Gestern Großrazzia in bundesweit elf Wohnungen von Vertreter*innen der Letzten Generation. Hintergrund des Polizeieinsatzes ist nicht das Festkleben auf Autobahnen und Kartoffelbrei-Attacken auf Kunstwerke, womit sie in den vergangenen Wochen auf sich aufmerksam machten, sondern wiederholte Attacken auf Anlagen der Raffinerie PCK Schwedt. Dort hatten Aktivist*innen Zuleitungen und Schieber am Zulieferernetz für die Raffinerie abgedreht, sodass die Ölzufuhr teilweise unterbrochen wurde. Beschädigt wurde nichts.
Die Klimaaktivisten stören, ohne zu zerstören. Was mehr kann man von Protestaktionen erwarten, die den Sinn haben, die Öffentlichkeit wachzurütteln in Hinblick auf die Fünf-nach-Zwölf-Konstellation unseres Planeten? Ein bisschen Schmerz muss sein.
Diese Leute stehen mit ihrer vollen Identität hinter den Aktionen. Weder sind sie vermummt noch verschleißen sie einen Tross von Sozialarbeitern und Undercover-Ermittlern (wie etwa der islamistische Attentäter Anis Amri, der erst noch betreut umzog, bevor er am 19. Dezember 2016 auf dem Berliner Breitscheidplatz 13 Menschenleben auslöschte und 54 weitere Personen zum Teil schwer verletzte.)
Die Polizei kann; merkwürdigerweise aber manchmal auch nicht. Im Moment kriminalisiert sie friedliche, mutige Widerstandsformen, was nicht gerade dazu geeignet ist, mich zu beruhigen. Ich fühle mich mit ihnen solidarisch, sie haben meine volle Sympathie. Die Verbrecher sitzen woanders (wie der jüngste EU-Skandal beweist, aber der ist so gähnend langweilig, dass er hier keine weitere Erwähnung finden wird).