Glotze

Sonntag, B.N. Der Wiesbaden-Tatort mit Ulrich Tukur ist heute eine Mischung aus Tarantino, Western und Horrorfilm. Gleich die ersten Einstellungen zeigen, dass da etwas Besonderes im Gange ist: Das Licht ist weißlich antikisierend, die Kamera fokussiert sich auf Details wie den herabperlenden Schweißtropfen am Hals der Polizistin. Es geht blutig zu – ein Polizeimuseum wird von einem ganzen Heer rechtsradikaler Scharfschützen unter Beschuss genommen. Außerdem spielt ein zufällig dazugestoßener Kannibale eine Rolle, der, nachdem er auf die Seite der Guten gewechselt hat, herzhaft in die Hand eines Widersachers beißen darf. Von da an läuft er mit blutverschmiertem Mund herum. Überhaupt ist die Folge ausgesprochen lustig, etwa, wenn mit einem fahrbaren Roboter ein Handy – Symbol für die Neuzeit – aus einem Auto gerettet wird, ich kürze das jetzt mal ab. Das rasante Drehbuch stammt vom wunderbaren Clemens Meyer, der auch selber mitspielt, als Radiomoderator der Rahmenhandlung.
Meine Hand verheilt nicht, ich kann nicht viel machen und werde vorübergehend zum Fernsehglotzer.