Hark Bohm ist tot

Wie traurig.
Und wie wunderbar die vielen Spuren, die er hinterlässt. Intensivspuren. Der 86-Jährige hat sie im Laufe seines hyperkreativen Lebens der Kulturwelt und uns in die Herzen geschrieben.
Mit Nordsee ist Mordsee fing meine damals noch kindliche Begeisterung für Bohm an. und sie hielt sich über 50 Jahre: Amrum, sein letzter und, ich glaube, dritter Film mit Fatih Akin, begeistert mich wieder auf eine ganz andere, stillere Art. Wie wunderbar, dass der Filmemacher bis zum Schluss gearbeitet und das in Cannes gefeierte, letzte Gemeinschaftswerk noch erleben durfte.
In seinem ersten Film Nordsee ist Mordsee übernahmen Stiefsohn Dschingis und der leider viel zu früh verstorbene Adoptivsohn Uwe Bohm die Hauptrollen (U.B. erlebte ich einmal in einer phantastischen Zadek-Peer-Gynt-Aufführung im Berliner Ensemble, bei der er fast drei Stunden lang nackt spielte). Die jugendlichen Herumtreiber waren Bohms Thema. Er war einer, der sich reinversetzen konnte in die Einsamkeit und die Sehnsüchte junger Menschen. Tschick ist der Beleg dafür, dass auch ein alternder Regisseur die Probleme von Jugendlichen auf den Punkt bringen kann. Bohm selbst, egal wie alt er war, kam einem ja auch immer noch ein bisschen wie ein Jugendlicher vor. Er war durchlässig, er kooperierte mit vielen anderen Künstlern, so auch mit Udo Lindenberg, der den Soundtrack für Nordsee ist Mordsee lieferte.
Hark Bohm hat Maßstäbe gesetzt. Gegen das Mainstream-Kino, gegen glatte und geglättete Hollywood-Produktionen. Für existentielles, emotionales Kino. An das du dich auch nach Jahren noch erinnerst.
Danke, Hark!