Heißer Schrecken

Dienstag. Vor drei Wochen hat meine Waschmaschine den Geist aufgegeben. Frühester Reparaturtermin: 09. Februar, also heute. Drei Wochen sind entsetzlich lang, wie soll ich so lange ohne Waschen auskommen?
Von der Sache her nicht schlimm, ich kann bei meiner Nachbarin Lilli waschen. Vom Zeitgefühl her empfinde ich diese drei Wochen im Rückblick als Katastrophe. Plötzlich sind sie um, die vielen, vielen Lebenstage, und mir fällt nichts ein, was ich in dieser Zeit gemacht habe außer am Laptop gesessen. Der Lockdown macht einen anderen Menschen aus mir, einen, der ich nicht sein will. Am schlimmsten finde ich diese permanente Angst vor Fehlern. Ein Mal danebengegriffen, und du bist draußen, blickst es nicht mehr, kommst nicht mit, kommst nicht mehr rein. Zehn Mal am Tag überfällt mich ein heißer Schrecken, um sich dann GSD meistens in Luft aufzulösen. Trotzdem – das sind die Momente, in denen ich schlagartig um drei Jahre altere.
Ich befinde meinen Status als menschliche Maschine für menschenunwürdig. Und doch gibt es erste Anträge im „Amt“, in Zukunft nur noch virtuell zu arbeiten: „Weil man sich den Weg spart.“
Heilige Scheiße, was ist so schlimm an einem Weg?