Donnerstag. Heute, an T.’s Geburtstag, Hochzeits-Testessen bei Gerhard. T. und E. wollen es so einfach wie möglich. Das Essen bereiten wir zum großen Teil selbst zu, Käsespätzle kann niemand so gut wie Gerhard, ich bin für die Vor- und Nachspeisen zuständig, der Rest wird bestellt. Nach der standesamtlichen Trauung treffen wir uns in T.s und E.s inzwischen gemeinsamer Wohnung. Ich habe gelesen, dass Deutsche im Durchschnitt 13.000 € für ihre Hochzeitsfeier ausgeben. Darüber haben die beiden sehr gelacht. (Die Statistik darf wohl auch angezweifelt werden, oder gab es bundesweite Umfragen zu dem Thema?) Erst in den letzten hundert Jahren hat sich das so hochgehypt, eine Entwicklung, für die der Adel Vorbild stand: Die Bilder von Queen Victoria und Kaiserin Sissi in ihren weißen Festgewändern gingen um die Welt, von da an wollten alle ein Mal im Leben Königin und König spielen. Vorher trugen die Bräute Schwarz, das große Schwarze war nicht fürs Einmaltragen gedacht wie die Sahnetortenkleider heute, sondern sie konnten später bei anderen Gelegenheiten wiederverwendet werden. Während noch im 19. Jahrhundert ungefähr das Dreifache in den Gehrock des Bräutigams investiert wurde, wuchsen in der nachfolgenden Zeit die Bedeutung und somit auch die Kosten des Brautkleides. E. wird ein schlichtes, blaues Kleid tragen. Die Hochzeit zwischen mir und Gerhard, dem Vater meiner Kinder, war eine Hippiehochzeit. Nach der Zeremonie in bunten Kleidern und mit Sonnenblumen im Tübinger Rathaus, wo nächste Woche auch T. und E. getraut werden, haben wir mit Freunden eine Radtour durch das Neckartal nach Horb gemacht, Gerhards Heimatort, und abends gings wieder zurück in unsere WG in die Schwärzlocher Straße. Da war mein lieber T. schon unterwegs, was aber noch niemand sehen konnte. Die Sonnenblumen waren das Symbol der Grünen. Zu unserer WG gehörte nämlich auch Gabriele Steffens, seinerzeit Erste Bürgermeisterin von Tübingen. Grüne Verkehrspolitik wie die Sperrung der Mühlstraße hatte sie schon angedacht, damals wurde sie belächelt, B. Palmer realisierte später ihre Pläne. Keines der drei Paare unserer WG blieb zusammen. Ich wünsche T. und E. mehr Glück. Weniger Ideologie. Mehr Weitsicht … Oder einfach Gottes Segen.