Homeoffice

Freitag. Die Pandemie und die Folgen, die sie nach sich zieht, erzeugt in mir das zunehmende Gefühl von Fremdbestimmung. Ich hake nur noch ab. Ich tue den ganzen Tag unzählige Dinge, die mir keinen Spaß machen, in denen ich nicht einmal einen Sinn erkenne. Nur weil sie sein müssen, indem sie von mir erwartet werden, nur weil ich diese Erwartungen internalisiert habe, nur weil ich Angst habe sie einfach nicht zu tun, tue ich sie. Die Angst wird dadurch aber nicht weniger. Sie beherrscht mein Denken, sie lässt keinen Raum für die Dinge, die ich jetzt, in dieser Situation, als viel sinnvoller erachten würde als das, was ich tatsächlich tun muss. Stundenlanges, zeitfressendes, energiefressendes, sozialfeindliches, körperfeindliches Sitzen am PC – nicht die geringste Kreativität, nicht die kleinste Eigenständigkeit verlangt mir das ab außer Klick und Enter. Die Pandemie transformiert meinen Beruf in das Gegenteil dessen, was er mir war, als ich mich dafür entschieden habe. Angstbesetzt, und damit meine ich nicht die Angst vor Infektion. Belastung statt Bereicherung. Mein Gehirn ist randvoll damit, nachts schlafe ich nicht ein, und morgens ist mein erster Gedanke die Angst. Verweigerungsfantasie: Nicht mitmachen und dazu stehen. Was würde passieren? Abmahnung? Soziale Ächtung? Rauswurf? Kein Geld? Nichts? Nichts Gravierendes? Vermutung: Der Nebel würde sich heben. Mein Kopf würde wieder anfangen eigenen Gedanken zu folgen, meine Neugier erwachen auf ein ganz anderes Leben. Außerhalb der Erwartungen, der Regularien, der Klicks und Likes, des gewollten Stumpfsinns.

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„Don’t give yourselves to these unnatural men – machine men with machine minds and machine hearts!“ Charly Chaplin in: The Great Dictator / Der große Diktator