Impro im Blindflug

Mittwoch. Online-Fortbildungen sind eine gute Sache: Man kann sich unsichtbar stellen und nebenher das Bad putzen. Oder eine vegetarische Hackfleischsoße zubereiten. Sehr zeitökonomisch. Der meditativ-kreative Aspekt, den eine Tätigkeit wie Putzen oder Kochen durchaus für mich hat, fällt damit natürlich flach. Nun, man soll nicht zu viel erwarten. Doch in den letzten zwei Wochen sind meine Tage so eng getaktet, dass mir schwindelig wird. Morgens laufe ich um halb acht im „Amt“ ein, um erst abends oder – wie gestern – nachts wieder rauszukommen. Anschließend Vor- und Nachbereitung für den Unterricht, nicht selten bis in die Morgenstunden. Mit jedem Tag wächst die To-do-Liste. Ein Gefühl, als würde man durch einen Wust von unbewältigten Aufgaben geschoben, ohne darüber nachzudenken, was man da eigentlich tut. Die Aufrüstung in Sachen Digitalisierung läuft nicht zwischen Tür und Angel, auch wenn das Kultusministerium sich das so vorstellt. Zeitaufwändige, oft verwirrende Corona-Auflagen tun ein Übriges: Gestern wurde die 2. Pandemiestufe ausgerufen, täglich gehen neue Bestimmungen an uns raus, die zum Teil schon am nächsten Tag wieder zurückgenommen werden, nachdem man sie bereits umgesetzt bzw. weitergegeben hat. Das ist nicht nur im „Amt“ so. Überall wird improvisiert, ein bisschen wie im Blindflug. Das Virus schlägt Haken, lässt sich nicht so leicht interpretieren, verändert sich, legt sich nicht fest.
Über dem Galgenberg, hoch oben am Nachthimmel, steht seit 20 Minuten ein lärmender, blinkender Hubschrauber. Was sucht er?, das ist gruselig, es ist gleich Mitternacht, die Fenster zittern, und der ist immer noch da …