King Biller

Mittwoch. Maxim Biller ist einer der Größten, und mit Der falsche Gruß (Kiepenheuer Witsch, 2021) wird er noch ein bisschen größer inmitten des deutschsprachigen Nichtssager-Einerleis.
Die Handlung: Ein Schriftsteller mit DDR-Vergangenheit fasst im wiedervereinten Deutschland Fuß auf dem glatten Parkett der untereinander schwer konkurrierenden Intelligenzia. Mit Chuzpe navigiert er sich und sein brandaktuelles Werk durch das Gestrüpp aus Missgunst, Autorenneid, Männerneid und Skrupellosigkeit, das die Verfeindeten wider ihren Willen miteinander verbindet.
Der falsche Gruß leuchtet bitterböse das Dunkel der bundesrepublikanischen Tabus aus, löst wenig, sagt aber viel. Vieles bleibt unverständlich, Biller wieder als Meister der Anspielung, der zahllosen, rasant sich jagenden Insider, was die Nichtinsiderin kurz mit dem Gefühl des Ausgeschlossenseins hadern lässt, bis sie sich avanti, avanti wieder einkriegt, denn, zack!, stolpert sie bereits über den nächsten Namen oder das nächste Ereignis, das erinnert oder historisch eingeordnet werden will. (Ich persönlich mag das, wenn ich nicht jedes Detail blicke.)
Die geneigte Leserin entdeckt in beiden Figuren, dem Helden und dem Antihelden, original Billerhaftes bzw. billerhafte Selbstironie, passenderweise verschwimmen im Buch diese Zuschreibungen. Und jetzt kein Wort mehr – Spoileralarm!
Fazit: Ein Buch, auf das man sich freut. Großartig!