Liebesexperiment

Samstag. Das Girlfriend Experiment von Catherine Lacey (AufbauVerlag) ist ein Roman, der viel verspricht. Auch viel Seltsames, Schräges. Etwa bis zur Hälfte schafft er es, die geneigte Leserin mitzunehmen auf die extrem seltsame Reise der Protagonistin Mary (die eigentlich anders heißt, aber das entschlüsselt sich erst später). Wegen Geldnöten – sie ist chronisch verschuldet, weil sie gegen ihre chronischen Krankheiten teure Therapien benötigt – verpflichtet sie sich als gut dotierte Teilnehmerin eines Beziehungsexperiments. Dieses hat der reiche, berühmte Schauspieler Kurt Sky initiiert mit der Zielsetzung, die Liebe wissenschaftlich zu entschlüsseln und schließlich neu zu erfinden. Ein breit aufgestelltes Forscherteam begleitet und kontrolliert die Abläufe in bald unkontrollierbarer Weise. Warum Mary und die anderen Frauen bei der Sache mitmachen, entfaltet sich auf dem Hintergrund ihrer eingefügten Biographien: Religiöser Wahn, Gewalt, Sexismus und Verlassenheit sind die prägenden frühen Erfahrungen, die ausgereicht haben, die jungen Frauen psychisch und physisch krank zu machen und mit zerstörerischem Potential ihre Wege ins Erwachsenenleben zu determinieren.
Das Ende zerfastert sich; stellenweise konkretisiert sich die Unlust weiterzulesen. Das ist schade um den guten Start und den tollen Plot.

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PM ist in Eisenach bei seinem Vater … der im Krankenhaus liegt … der wahrscheinlich nicht mehr in seine Wohnung zurückkehren kann … same procedure as … . Draußen wird es Herbst. Obwohl es noch warm ist, ändert sich schon das Licht.