Mein Name sei …

Dienstag, B.N. Begegnung mit Edgar Hilsenraths Der Nazi und der Friseur, dem respektlosesten, atemberaubendsten, bösesten Werk, ich korrigiere: Meisterwerk, über das Dritte Reich und den Holocaust (was übrigens eine Wortschöpfung von Elie Wiesel ist … geht auf die Erzähltradition von Isaaks Opferung zurück und umfasst deshalb ausschließlich den Massenmord an Juden).
Ein Roman, der direkt in die Eingeweide zielt. Was kann ich daraus lernen?, frage ich mich bei jeder Lektüre … Sind ja Lebensentwürfe, der freien Phantasie entsprungen … Spiegel meines eigenen Lebensentwurfs: die ich zur Freiheit verdammt bin und rein theoretisch oder auch ganz praktisch jeden Morgen nach dem Aufstehen darüber entscheiden könnte, wer ich heute bin … Regen zur Nachahmung an oder schrecken ab … je nachdem … sofern es sich nicht um eine dieser Plot-freien Nichtgeschichten mit blutleeren Held*innen à la P. Stamm u.v.m. handelt, die aus unerfindlichen Gründen die literarische Moderne prägen … weshalb Böll und Frisch seit sechzig Jahren die Abteilung „zeitgenössische Literatur“ im Deutschunterricht abdecken … ich schweife ab … das Schreiben/Tippen schmerzt, ich habe keine Inputs außer Bücher und PM … Ende der Woche 2 Termine bei Handspezialisten … die Arbeit ruht, die fürs „Amt“ und die andere leider auch … ich gehe spazieren, ich lese –
„Ich bin Jude. Und ich bin stolz darauf. Und wenn’s Ihnen nicht passt, dann können Sie mich am Arsch lecken!“ Die Gräfin sagt nur: „Sowas tut man – aber man sagt es nicht. Keine Finesse, Herr Finkelstein!“ Der Butler legte mir jeden Morgen die Zeitung links neben den Teller. Aus Gewohnheit lese ich zuerst Bericht über den Massenmord, schneide sie aus, bewahre sie auf, unterstreiche aber vorher, ehe ich sie ablege, die Namen der geschnappten Verbrecher, ebenso die noch gesuchten. Oft stoße ich auf den Namen des Lagerkommandanten Hans Müller, zuweilen auf meinen eigenen …
Identitätenwechsel … spannendstes Thema ever! Mein Name sei Gantenbein … Konjunktiv im Titel – perfekt!
Mein Name sei …