Nach vorne und nach hinten

Freitag. Sören Kierkegaard hat irgendwo irgendwann gesagt: „Das Leben wird nach vorne gelebt und nach hinten verstanden.“ I do my best. Heute Abend kommt PM und wir feiern seinen Geburtstag nach, den ich live – Fernbeziehung eben – nicht miterleben konnte. Schöne Geschenke besorgen, einen Tisch reservieren – das alles verstehe ich unter nach vorne leben.

Draußen passiert gerade so viel. Ich fühle mich nicht imstande, darüber nachzudenken. Nach der Arbeit gehe ich auf direktem Weg nach Hause, Tür zu und Hauptsache Ruhe. Stadtbummel, Shoppen mit Freundin, Verabredungen im Café war früher. Das Geschrei und Geschwätz, die Sensationen, die einander widersprechenden Nachrichten, die Regeln – alles geht mir auf den Keks. Ganz klar, ich bin Corona-geschädigt. Mein Leben nach vorne entspricht eher einer Flucht. Wenn ich meine Arbeit nicht hätte, würde ich wahrscheinlich durchdrehen. Oder in der Stille meiner Wohnung auf ganz neue Ideen kommen. Das ist es, worüber ich gerade nachdenke.