Neue Situation

Freitag. Okay, also: Vor einer Woche ist T. hier eingezogen. Vorübergehend, um zum Arbeiten zu kommen, endlich. Krankenpflege und Arbeit – wohl schwer zu harmonisieren ohne Dauerschlechtesgewissen, ohne Vorwürfe, ohne Versagensängste (ist nur meine Phantasie, ich weiß zu wenig). Arbeit ist aber wichtig. Wer arbeitet, verdient das Geld für die (gemeinsame) Wohnung. Wer arbeitet, sichert sich seinen Platz im Leben. Die Krankheit wird sich noch Monate hinziehen, die familiäre Präsenz auch. Der Heilungsprozess entspricht bisher nicht den ärztlichen Erwartungen. T. pflegt J. aufgr. von zwei schweren, nicht miteinander in Verbindung stehenden Krankheiten seit nunmehr einem Jahr (Gehirnblutung/Kavernom, Gehirn-OP, Lymphdrüsenkrebs, Chemo, Bestrahlung…).

Ich unterstütze ihn. Außerdem zieht morgen meine neue Mitbewohnerin ein. (Wenn ich das mit T. gewusst hätte, hätte ich sie wohl nicht genommen.) Eine Chinesin, kommt direkt aus China angereist. Morgen Vormittag hole ich sie vom Bahnhof ab. Ihr Zimmer sieht superschön aus. Die Ikea-Möbel sind aufgebaut, der Teppich ist ausgerollt, das Bett frisch bezogen. Gestern haben T . und ich schnell noch einen neuen Bürostuhl gekauft.

Dass alles ein bisschen viel gerade ist, merke ich daran, dass ich jeden Tag etwas anderes verliere. Heute Morgen hing mein neuer Trenchcoat nicht in der Garderobe. Suche in der Wohnung erfolglos abgebrochen. Nachmittags alle möglichen Locations abgeklappert – bei Osiander war er dann! Meinen Regenschirm bekam ich gestern bei Zinser zurück, meine verlorenen U.Unterlagen lagen im Kopierraum, den Generalschlüssel trug mir ein freundlicher Kollege hinterher und das Paket für die Post befand sich im Fahrradkorb. So ein Stress- und Such-Galama!, aber nun ist alles wieder da.