Kirche, Essen, Familie

Donnerstag, 1. Weihnachtstag, Tübingen. Ich treffe mich mit A. vor der Stiftskirche. Sie ist voll, die Predigt redundant (die Völker sehnen sich nach Vereinigung ohne Grenzen), dafür werden viele Lieder gesungen. Organist ist der phantastische Ingo Bredenbach, der die alten Mauern zum Beben bringt. PM hat wirklich alles – Gans, Rotkraut, Klöße – in Eisenach vorgekocht und mitgebracht. Es geht ihm nicht gut, unser und besonders sein Leben ist zu anstrengend, außerdem ist er erkältet. Baby Z. freut sich am Paketeaufreißen. Alle freuen sich über ihre Geschenke, ich auch (der Strickmantel, den ich schon beim Zinser anprobiert hatte und dann

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Ich bin nicht Stiller

Dienstag, Tübingen. Max Frisch, so sein Landmann Adolf Muschg ironisch, habe das Thema Identität nicht direkt erfunden. Aber niemand wisse damit so virtuos umzugehen wie der Schweizer Autor in den drei großen Werken Andorra, Stiller und Mein Name sei Gantenbein. „Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, sagt Gantenbein. Das Leugnen des eigenen Ich, der Versuch ein anderer zu sein, die Flucht aus dem eigenen Ich in eine neue Identität – das sind die Gedankenexperimente, die Frisch hier durchspielt. Um zu erkennen: Es gibt doch kein Entkommen aus der eigenen Identität. Die Hölle sind eben nicht, wie Sartre behauptet hat, die

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Harter Stoff

Montag, Tübingen. Gabor Steingart in The Pioneer: „Bankrotterklärung der NATO/EU“ „Wer die heutigen Zeitungsseiten liest, die unisono die angebliche Geschlossenheit Europas bejubeln, könnte meinen, die Presse in Deutschland sei verstaatlicht worden. Eine mehrschichtige Wirklichkeit wird in die regierungsfreundliche Eindimensionalität gezwungen. Jede Konfliktlösung beginnt mit dem Aufarbeiten von Konfliktursachen – im privaten wie im politischen Raum. Diese Aufarbeitung unterblieb erneut: Der Westen geht weiterhin davon aus, dass John F. Kennedy legitim handelte, als er im Oktober des Jahres 1962 die Stationierung russischer Nuklearwaffen auf Kuba mit einer Kriegsdrohung verhinderte, während Putin illegitim handelte, als er im Dezember 2021 unter Berufung auf

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Dankbar

Sonntag, Tübingen. Was für ein schöner Sonntagmorgen. Draußen Nebel, drinnen fast alles erledigt. Geschenke, Wohnungsputz, Baumschmücken. Hahaha, der Baum steht ja schon das ganze Jahr. Meine Schreibgruppe hat sich daran gewöhnt, die zwei Neuen haben sich am Donnerstag gar nicht mehr eingekriegt, dass ich den schon fertig habe. Wo ich doch gerade erst angekommen bin. Üppig behängt, mit neuen, zusätzlichen Glasfiguren aus der Manufaktur Laucha! Wie das Jahr, so neigt sich auch das Romanmanuskript dem Ende zu. Mal schauen. Ob das was wird. … PM ist da, der Megaweihnachtseinkauf auch erledigt, heute fährt er nach Eisenach zurück und kommt erst

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Danke!

Samstag, Tübingen. Gott sei’s gelobt, Merz ist in Brüssel gescheitert. Aus der Enteignung eingefrorener russischer Vermögenswerte zugunsten der Ukraine wird nichts. 16 Stunden umsonst verhandelt und die Welt in Angst und Schrecken versetzt. Dass am Ende Recht und Vernunft siegen, liegt am Widerstand Belgiens, Italiens, Frankreichs, der Slowakei, Tschechiens und Ungarns. Danke, ihr Länderchefs und -chefinnen, die ihr eure eigene Bevölkerung im Blick habt.

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Die Präsidentin lügt

Freitag, Tübingen. ist der Diebstahl von Zentralbankvermögen legal? Mir macht das Angst. Wann ist der Kipppunkt erreicht, und Putin tut wirklich das, was ihm seit drei Jahren unterstellt wird? Die EU-Führungsriege sehnt sich nach Krieg – so kommt es der unwissenden, aber interessierten Bürgerin vor. Wie lange kann eine unrechtmäßig ins Amt gehievte EU-Präsidentin samt ihrer Entourage noch mit dem Feuer spielen, Lügen verbreiten, willkürlich Sanktionen verhängen und uns, die EU-BürgerInnen, für dumm, für saudumm verkaufen?

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Es matcht

Freitag, Tübingen. Meine Schreibgruppe in Tübingen macht mich glücklich. So positives Feedback, mir wurde richtig flau im Magen. Einer hat es sogar in einen Text gefasst, oh Mann, das ging mir nahe. Ich glaube, ich kann ganz gut unvoreingenommen Menschen und Ideen zusammenbringen. Und inzwischen meiner Intuition trauen (langer Lernprozess). Jedenfalls kommen sie voller Erwartungen her und gehen beflügelt von neuen Ideen, Inputs und konstruktiver Kritik wieder nach Hause. Wir haben zwei neue Mitglieder, sie wollen dabeibleiben. Matcht!

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Und dann passiert das Leben

Mittwoch. Hätte nicht sein müssen, der Film. Und ich hab noch meine arme Nachbarin überredet mitzukommen: Ulrich Tukur, Anke Engelke, ganz tolle Kritiken und so. Da saßen wir dann, die Längen aushaltend, uns fragend, was diese überzogenen Klischees sollen. Am Ende auch noch der Tod, als passierte nicht sowieso schon viel zu viel Schicksal in den 1 1/2 Stunden (dauerfrustrierte Ehefrau, Rentnerdasein, Sohn-Beziehung, Unfall). Ich meine, als sei der Film nicht so schon depri genug. Etwas benommen kommen wir raus und hätten uns doch beide über etwas Erfreulicheres gefreut in diesen unfreundlichen Zeiten. Na, wenigstens gab es noch ein sog.

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