KünstlerIn und Werk

Samstag. Brigit Bardot ist tot. Die Nachrufenden schwanken: Zwischen eher Bewunderung für das einstige Sexsymbol oder Empörung wegen ihrer fremdenfeindlichen Rechtsaußen-Gesinnung? Ich habe mich nie mit BB beschäftigt, kenne nur den Gossip aus der Friseurpresse, die ich 1 x im Monat konsumiere: dass sie Tiere den Menschen vorzog und mit ihrem Sohn weniger als nichts anzufangen wusste. Ihre Autobiografie wird jetzt häufig zitiert: Die Bardot habe ihre Schwangerschaft als „Tumor“ erlebt und ihrem bedauernswerten Sohn den Titel „Gegenstand meines Unglücks“ verliehen. Immerhin erkennt sie: „Ich bin nicht dafür geschaffen, Mutter zu sein. Ich bin nicht erwachsen genug.“ Ein wahnsinnig verletzendes

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Geschichte braucht Geschichten

Montag. Immer noch und immer wieder gibt es sie, die richtig guten Filme. Mit Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße hat sich Wolfgang Becker von der (Film-)welt verabschiedet. Ein Jahr nach seinem Tod kommt sein letztes Werk fast genau zum ersten Todestag in die Kinos. Einmal mehr glänzt Charly Hübner in dieser tiefgängigen Ost-West-Komödie. Die ganze Riege toller SchauspielerInnen ist vertreten. Jürgen Vogel phantastisch in einer ganz kleinen Rolle, Christine Paul sowieso, Daniel Brühl, die skurrile Eva Löbau, Peter Kurth, Thorsten Merten, Leon Ullrich … Statt auf Klamauk setzt der Film auf witzige Wortwechsel, einen wunderbaren Soundtrack und liebevolle Interieurs: In

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Weiter

Donnerstag. Fertig. Ein Roman, diesmal. Der Plot entspringt einem Satz aus der Vergangenheit. Und nu? Weitermachen. Weiter. Das nächste Projekt hat sich ja doch schon ins Gehirn gefräst …

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Her mit dem neuen Jahr

Mittwoch. Dann wollwirmal Schnippeln anfangen für heute Abend. Es gibt Raclette mit vielen Zutaten und feinen Dipps, same procedure as every year, wie üblich viel zu viel eingekauft. Diese Panik im Supermarkt vor leeren Schüsseln … Liebe Freunde aus Weimar und Eisenach kommen, ich freue mich auf sie und auf das neue Jahr. Ich wünsche euch und uns allen ein gutes Ankommen in 2026, Momente der Zufriedenheit und Dankbarkeit. Und nicht vergessen, es gibt immer ein paar schöne Dinge, die bleiben: der Kaffee am Morgen und der Ouzo am Abend, der Sonnenaufgang, der Blick aus dem Fenster … und vor

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I was very angry about it

Montag, Eisenach. Bin wieder zurück. Abends schöner, aber kalter Jahresausklang bei Freunden in der Garage mit reichlich Glühwein und Lagerfeuer. Einen Tag nach dem Friedenstreffen zwischen Selenski und Trump fällt Kiew nichts Besseres ein, als Putins Residenz mit Drohnen anzugreifen. Trump kommentiert den Vorfall in seinem ihm eigenen parataktischen Kindersprech: „Das gefällt mir nicht. Das ist nicht gut. Ich habe heute von Präsident Putin davon erfahren. Ich war sehr verärgert darüber. Es ist eine Sache, offensiv zu sein, weil sie offensiv sind. Es ist eine andere Sache, sein Haus anzugreifen. Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, um so etwas zu tun.“

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Die Sache mit der Freude

Freitag. Das Wort Selbstverwirklichung hatte für mich einen verheißungsvollen Klang: Nach Abenteuer, Antiautorität, Aufbruch. Es inspirierte mich. Ich war 14 und kam aus dem Badezimmer und erzählte es meinem Vater. Was ich alles vorhätte. Er holte mit der Hand weit aus und knallte mir eine. Und brüllte irgendwas von Mädchen, die von den Händen des Elternhauses in die Hände eines Ehemannes kämen, also nicht über Selbstverwirklichung nachzudenken brauchten, und das war schon damals erschreckend antiquiert. Ich sagte nichts, ich wurde nicht oft geschlagen, die paar Mal, an die ich mich erinnere, fand ich immer extrem ungerecht. Obwohl ich mir alle

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