Schlechte Nachrichten

Samstag, B.N. In der vergangenen Nacht hat Trump den iranischen Top-General Ghassem Soleimani per Drohneneinsatz hinrichten lassen. Dabei sind auch eine iranische und eine irakische Regierungsdelegation getötet worden – der General hielt sich gerade im Irak auf. Kollateralschaden.
Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei hat Rache für den tödlichen Angriff geschworen. In einer heute über Twitter verbreiteten Botschaft droht Chamenei den „Verbrechern“, die für den Tod Soleimanis verantwortlich seien, mit „schwerer Vergeltung“.
„Soleimanis Weg wird auch ohne ihn weitergeführt, aber die Kriminellen erwartet eine schwere Rache“, wird der Ayatollah im iranischen Fernsehen zitiert. Und: Der Tod Soleimanis werde den finalen Sieg des Islams gegen die Imperialisten nicht beeinträchtigen (sic!).
Irans Außenminister Mohammed Dschwad Sarif twittert: „Die Ermordung General Soleimanis war extrem gefährlich und wird zu einer Eskalation der Krise führen.“
Die Ursprünge der Eskalation liegen Jahrzehnte zurück. Sie begründeten nicht nur das Hassverhältnis zwischen USA und Iran, sondern trugen auch zur Stärkung des politisierten islamischen Fundamentalismus im Nahen Osten bei: 1953 stürzten die USA bzw. die CIA den – demokratisch gewählten – iranischen Premierminister Mossadegh. Mossadegh hatte es gewagt, die iranische Erdölindustrie zu verstaatlichen und sie so aus den Klauen der westlichen Ölmultis zu befreien. Er wollte dem iranischen Volk seine Bodenschätze zurückgeben. Die CIA ersetzte Mossadegh durch den amerikafreundlichen Reza Schah Pahlavi. Damit kam der Stein ins Rollen. Der Putsch ist u.a. für die spätere Islamische Revolution verantwortlich, deren leidenschaftlicher Mitkämpfer der heute Nacht von einer amerikanischen Drohne ermordete Top-General Ghassem Soleimani war.
Schon in seinen jungen Jahren war Soleimani gegen die Monarchie im Iran und unterstützte die vom greisen Ajatollah Ruhollah Chomeini geleitete islamische Bewegung. Nach der Revolution 1979 wurde er Mitglied der neu gegründeten Iranischen Revolutionsgarde; von dort begann sein kometenhafter Aufstieg zum alleinentscheidenden Militärstrategen Irans mit Star-Potenzial.
Mit seiner Hinrichtung drehen die USA weiter an der Hass-und-Rache-Spirale. Die gegenseitigen Beschuldigungen, Drohungen, Ermordungen werden weitergehen. Trump beteuert, keinen Krieg oder Regimechange im Iran zu wollen, aber er schickt schon mal Tausende neue Truppen in den Nahen Osten.
Das alles macht mir Angst. Das Jahr fängt nicht besonders gut an.