Schöne Begegnungen

Samstag. Eine Stimmung wie warmer Schokoladenkuchen – trotz des schwierigen Themas. So war das bei meiner Lesung  aus Lass uns über den Tod reden gestern Abend im Frankfurter Salon, und das lag an den tollen Leuten, die gekommen waren. Einer sprach es aus: „Ich fühle mich in der Runde hier richtig wohl.“
„Danke“, konnte ich bestätigen, „mir geht es genauso, ich fühle mich auch wohl mit Euch.“
Über den Tod reden – das funktioniert nur in einer Atmosphäre, in der man sich gegenseitig zuhört und Anteil nimmt. Immer kommen auch Menschen zur Lesung, die erst kürzlich jemanden verloren haben und nicht wissen wohin mit ihrer Trauer, dieser gesellschaftlich tabuisierten Emotion. Jedes Mal wieder berührend, wenn gerade sie sich öffnen und anfangen zu erzählen …

Highlight: Vor der Veranstaltung treffe ich mich mit Barbara, eine Freundin aus uralten Tübinger Zeiten. Wir haben mal zusammen eine Seminararbeit geschrieben, die schlummert noch irgendwo in meinem Schreibtisch. Dafür hat sie noch alle Unterlagen von unserer revolutionären Theologischen Frauengruppe, ich kann’s kaum glauben. Wir haben uns viel zu erzählen, zum Glück kommt sie mit zur Lesung und bereichert die Diskussion mit ihrer Kompetenz über Rituale und Schamanismus.

Am Dienstag bin ich wieder in Frankfurt, mit einer Einführung ins Kreative Schreiben. Das erste Mal, dass ich das außerhalb von Tübingen mache – ein Experiment, auf das ich selbst gespannt bin (auch weil ich es in Eisenach fortführen möchte …).

Auf der Rückfahrt, die mit den üblichen Zwischenfällen daherkommt – Zug-Ausfall, eine Stunde Verspätung, verpasster Anschluss in Stuttgart – treffe ich meinen Ex-Schüler Jamal mit seinen Kumpels. Sie kommen von einem Konzert und fragen, was ich morgens um 2.30 Uhr auf dem Bahnhof zu suchen habe. Bis Tübingen entertainen sie mich allerbestens mit ihren Sprüchen und Kommentaren, und mein Ärger verpufft so schnell, wie er gekommen ist. Echt nice, das schöne Ende eines schönen Abends. Und danke!