Slomka verhört

Sonntag. Spätestens seit gestern Abend weiß man Marietta Slomkas fiese Attacken wieder mal zu goutieren. Da lief sie nämlich zu slomkascher Höchstform auf. Von ihrem Killergrinsen in den Bann gezogen, lief man glatt Gefahr, ihre Killerfragen zu überhören. Zum Beispiel, wenn sie genüsslich alle bisher in ihrem Amt gescheiterten SPD-Vorsitzenden aufzählt und Walter-Borjans damit nahelegt, dass auch er an dieser Aufgabe nur verzweifeln, krepieren, elendig zugrunde gehen kann! Eine Political Fiction, die ihre Augen zum Strahlen bringt. Da vermag sie ihr Grinsen kaum noch in Schach zu halten. Wahrscheinlich guckt sie sich nachts ihre Aufzeichnungen an und ist begeistert: Von sich, von ihrer Unbestechlichkeit, von ihrem Geschnarre. Von ihrem Wegmetzeln überflüssiger Redebeiträge. Slomka rüstet auf. Die neuen SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken reden von einer linkeren Politik, was ja relativ ist, aber bei links kriegt Slomka in jedem Fall konvulsivisches Magengrimmen. Das passt so gar nicht in die sonnige Slomka-Welt, wo man sich unter der Merkel-Sonne so schön eingerichtet hat und die strammen Merkel-Wege so schön eingelaufen sind (oups!, welch wundersame Doppeldeutigkeit). Damit kommen die Medien nicht zurecht, wie kürzlich auch Markus Lanz im scharfrichterlichen „Gespräch“ mit den beiden linksgeneigten Politikneulingen bewiesen hat. Eindeutig unprofessionell wird es aber, wenn Slomka den ZDF-Theo dazuschaltet. Liebevoll senkt sie ihre Stimme. Der Theo ist einer von ihnen, da kann sie kurz die Messer beiseite legen. Leider halten Walter-Borjans und Eskens bisher wenig dagegen. Wollen sie das mediale Stahlgewitter überleben, müssen sie sich zuallererst einem Rhetorik-Coaching unterziehen, um auch Slomkas Attacken in Zukunft mit geschmeidigem Weglächeln und Wegreden wegzubügeln. So sind die telekratischen Spielregeln. Eigentlich schade.