Angst

Donnerstag. Die Verhandlungen mit Schröder haben die Welt leider keinen Schritt voran gebracht. Es bleibt nicht nur bedrohlich, die Lage wird langsam brandgefährlich.
Allem Anschein nach hat sich Putin in Großmachtphantasien verrannt, aus denen es nun kein Zurück mehr gibt. Der Westen glaubt mit seiner Sanktionen-Daumenschraube den russischen Regierungschef zu treffen und trifft in erster Linie die Bevölkerung.
Russische Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Sportler*innen werden wie Pestkranke gemieden, als hätten sie den Krieg vom Zaun gebrochen: Ausschluss der russischen Fußballnationalmannschaft von allen Spielen, das Royal Opera House London lässt das Bolschoi-Ballett nicht auftreten, an einer Mailänder Uni soll sogar eine Dostojewski-Vorlesung gecancelt werden. Der Irrsinn kennt keine Grenzen und – noch schlimmer: geht langsam in puren Rassismus über.
Obwohl Putin unmissverständlich Stellung bezogen hat, was passieren wird, wenn die NATO sich in den Krieg einmischt – „die Antwort Russlands [wird] unverzüglich kommen und zu Folgen führen […], die Sie in Ihrer Geschichte noch nicht kennengelernt haben!“ – fordern führende Außenpolitik-Experten, darunter Ex-US-Botschafter John Kornblum – den Nato-Einsatz im Luftraum der Ukraine. Ist ihr ultimativer Weiß-und-Männlich-Dream: Endlich aus dem Kalten einen Heißen Krieg machen? Endlich alte Rechnungen begleichen? Angriff auf die russische Luftwaffe. Wie geil!
Erst gestern bewilligte Biden 800 Millionen US-Dollar Militärhilfe für die Ukraine. Hoffentlich deutet Putin die kleine Spende nicht als Einmischung.
Einige, leider sehr einflussreiche Menschen können es kaum abwarten, Putins Krieg zu ihrem bzw. unserem Krieg zu machen. Ich habe Angst. Die lähmende Angst erinnert mich an den ersten Corona-Lockdown. Wie harmlos war der, im Vergleich zur aktuellen Weltsituation! Das Spiel mit dem Feuer ist ein Spiel auf unsere meine Kosten.