Sonntag, 1. Advent. Stehen mehr als zwei Leute zusammen, geht es sofort los:
- ob du Fußball-WM guckst oder nicht?
- ob du als bekennender Nicht-Gucker moralisch besser dastehst als die Heimlich-Gucker?
- ob Selenski zuerst Klitschko kaltstellt oder die Krim zurückerobert?
- ob DFB-Kapitän Neuer feige ist, weil er die von der FIFA untersagte One-Love-Binde nicht trotzdem trägt?
- ob Innenministerin Nancy Faeser eine Heldin ist, weil ihren Arm die vieldiskutierte Binde ziert, während sie beim Deutschland-Japan-Spiel neben FIFA-Präsident Infantino sitzt?
- ob die Pandemie jetzt endgültig vorbei ist?
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ob die Maskenpflicht jetzt auch für den ÖPV kippt,
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und ob die Infektionszahlen dann wieder ansteigen?
- ob unsere Fußballjungs auch Helden sind, weil sie sich auf dem offiziellen Mannschaftsfoto den Mund zuhalten?
- ob das Einfordern der One-Love-Binde ein mutiges Statement von Politiker*innen wie Habeck / Faeser ist, denen im Gegensatz zu den Spielern keinerlei Sanktionen drohen?
- ob Habeck eindeutige politische Signale von den Fußballspielern in Katar einfordern darf, wo sich doch alle noch allerbestens an seinen bodentiefen Diener für Gas aus Katar erinnern?
- ob das Abschalten der Innenstadtbeleuchtung aus Energiespargründen auf Kosten der Sicherheit geht?
- ob jemand ernsthaft an einen katarischen Werte-Change glaubt, bloß weil Katar die WM ausrichten darf,
- oder ob man bloß so tut, um sein Gewissen zu beruhigen?
- ob Sich-Festkleben oder Kunstwerke-Beschmeißen angesagte Mittel sind, um das Welt-Bewusstsein zur Umkehr zu motivieren?
- ob die Tübinger Verpackungssteuer gegen die Plastikvermüllung hilft?
- ob die Aktionen der Letzten Generation eskalieren (müssen), wie seinerzeit die RAF eskalierte?
- ob und wie lange die USA noch der Ukraine einheizen, nur um ihr teures Frackinggas zu verkloppen?
- ob die iranischen Spieler mit ihrer Weigerung, die iranische Nationalhymne zu singen, nicht die einzig wahren Helden der WM sind?
… während ich mich frage, warum ich so selten zum Schreiben komme? Warum das „Amt“ immer noch viel zu viel Raum in meinem Leben und in meinem Gehirn einnimmt? Warum meine Tage verrinnen mit „Amts“-Geschäften und Steuererklärung – wie dröööge ist das denn? – statt dass es mit meinem Buch weitergeht?
Ab Februar wird nochmal reduziert, auf sechs Stunden. Weniger soziale Verpflichtungen, weniger Konfrontation mit menschlichen Schicksalen, die mich jedes für sich bis in meine Träume verfolgen …
Ich möchte von meinem Buch tag-und nachtträumen! Von den Interviews, die ich jetzt doch wieder irgendwie zwischendurch bearbeite, anstatt sie zum Hauptgeschäft zu erheben.
Apropos Lebensentscheidungen –
Ich muss mich selbst ernster nehmen.