Dienstag, Tübingen. Wer will denn in Wendlingen aussteigen? Der Mann vor mir, der hätte es fast verpennt und sprintet nach draußen. Wendlingens Kirchturm hat ein rotes Ziegeldach, das sieht man noch lange.
Wer will in Nürtingen raus? Zwei Schülerinnen in schwarzem Kopftuch und schwarzen Mänteln laufen zum Ausgang, während sie telefonieren. Bempflingen, Metzingen … die meisten steigen gleich in Reutlingen aus. In Reutlingen konnte man früher einkaufen gehen, wenn man eine Hose brauchte, aber jetzt gibt es keine coolen Läden mehr.
Ich bleibe bis Endstation Tübingen. In der Unterführung kenne ich jedes Graffiti. Beim Rauskommen bewundere ich den neuen Übergang vom Bahnhof zum Anlagensee. Die Leute tragen ärmellose Tops und Flipflops wie am Strand, dabei ist erst März. Die ganze Zugfahrt habe ich geniest und geschnüffelt, zum Ärger meines Nachbarn. Es sind die Frühblüher Erle und Birke und Haselnuss, die mir so zusetzen.
Ich fahre nach Hause, habe ich gesagt. Oder war ich gestern Abend zu Hause? Ein schönes Fest in B.’s schöner Dachwohnung in der Karlsstraße mit lauter lieben Menschen in der warmen Stube. Die Joghurtbombe mit Himbeerrand hat P. gemacht. Sie ist verliebt, erzählt sie mir, und dass sie Schmetterlinge im Bauch hat und ihr Liebster auch. Sie sind beide Großeltern, und die Mutter von P.’s Liebstem habe gesagt, endlich hat der Junge die richtige Frau gefunden! Darüber haben wir sehr gelacht, und sie hat noch mehr erzählt, wie das alles kam nach so vielen Jahren, weil sie sich doch schon viel früher kannten.
Da habe ich mich doch glatt in Eisenach zuhause gefühlt, wo es diese guten Geschichten gibt.