Deadline

Sonntag, im Zug Kiel-Stuttgart. Shit! Das Wochenende geht vorbei, dem i-phone geht der Saft aus, der klapperalte Wagen hat keine Stecker, und ich muss diesen angefangenen Text noch fertig machen. Bis Dienstag Abend habe ich Zeit, aber Zeit ist relativ. Morgen wird’s nichts, heute sowieso nicht mehr. Deadline ist jetzt! Das ist hart, wenn dein Geist in alle Richtungen explodiert, doch die äußeren Umstände sprechen gegen dich. Die Worte in deinem Kopf werden zu Wortsalat, indem der Versuch sie geistig abzuspeichern fulminant scheitert. Später, später, wenigstens die Struktur steht doch!, aber: aufgeschoben ist genau das gleiche wie aufgehoben, das ist die Erkenntnis, die sich so unausweichlich wie der plötzlich gegen die Scheiben prasselnde Regen einstellt. Weil Aufgeschobenes verdampft, mit beleidigter Miene dampft es durch die Gehirnwindungen nach draußen, ungenutztes, ungebrauchtes Potenzial, Gedankenblitze, Textfragmente – vorbei, mit dem Regen weggeschwemmt …