Corona Diary / … erkämpft das Menschenrecht

Freitag. Trübsinnigster 1. Mai meines Lebens. Keine Kundgebung, kein Marktplatz, keine Internationale. Nur am Abend Spaziergang mit Mecki als Tages-Highlight. Mecki ist tierisch erbost über die staatlichen Corona-Vorgaben, respektive Kontaktsperre und Versammlungsverbot, die sie als Eingriff in ihre bürgerliche Freiheit empfindet und durch die sie ihre Menschenwürde aufs Spiel gesetzt sieht.
Manchmal wäre sie froh, wenn sie sich infizieren würde, sagt sie. Dann könnte sie die Fesseln der behördlichen Maßnahmen endlich abwerfen. Sie mailt ununterbrochen Petitionen an Jens Spahn und Susanne Eisenmann. Sie beantragt die Öffnung aller Einrichtungen, insbesondere des „Amtes“. Aber auch noch vieles mehr. Kurzum: Sie beantragt die Wiederbelebung des öffentlichen Lebens.
Einer unserer Kollegen musste gestern unverzüglich das „Amt“ verlassen und darf es auch nicht mehr betreten – auf unbestimmte Zeit. Begründung: Als Herzkranker gehöre er zur Risikogruppe.
Da siehst du es, sagt Mecki, die dazugekommen war, als er gerade seinen Schrank ausräumte. Die totale Entmündigung! Als könnte er das Risiko nicht selbst abwägen.
Diskriminierung oder Schutz? Sehr schwer, sich eine Meinung zu bilden. Auf der einen Seite die persönliche Freiheit der Gesunden oder derer, die sich für gesund halten, auf der anderen Seite die furchtbaren Krankheitsverläufe mancher Infizierter mit Langzeitfolgen oder gar Tod –
Kann man Menschen zu ihrem Schutz zwingen? (Ich will doch nur dein Bestes …)
Habe heute viel gearbeitet. Morgen kommt PM. Manchmal kommt mir alles so weit weg vor. Nur ich und meine Bude und die Arbeit, schrumpeldipumpel, der Saft ist raus, das Leben ist wie Dörrobst.