Samstag. 60.000 sollen es inzwischen sein. Die nach Ceuta geschwommen sind, zu dieser spanischen Enklave, von deren Existenz ich bis vor wenigen Tagen noch nichts wusste.
Wegen irgendeiner Gesetzesänderung in Spanien, dass geschwommene Flüchtende nicht mehr zurückgeschickt werden dürfen, im Gegensatz zu denen, die über den Landweg gekommen sind, aber es ist ja eigentlich egal, wie verquast und verdreht manche Gesetze sind. Das Schockierende ist vielmehr, wie unvorstellbar viele Menschen sich einfach so aus dem Nichts auf den Weg machen, wenn sie auch nur eine klitzekleine Lücke wittern, durch die sie flutschen können, um endlich ihr Leben so zu leben, wie sie es sich erträumen.
Es ist auch zweitrangig, ob Marokko hier Menschen als Material, als Waffe benutzt, um Spanien an den Rand des Möglichen, in eine wahre Migrationskrise zu stürzen (zumal Spanien gerade mit extremen Waldbränden zu kämpfen hat).
Wenn so viele Menschen alles stehen und liegen lassen und sich auf den Weg machen, dann muss ihr bisheriges Leben schrecklich sein. Dann wollen sie nur noch weg, egal was es kostet. Manche kostet es das Leben, ca. 60 Flüchtende sollen bereits ertrunken sein, die Zahlen schwanken.
Marokkos König Mohammed VI. hat anlässlich des „Throntages“ ca. 2000 Häftlinge entlassen, wie er es offenbar jedes Jahr macht. Darunter auch Schwerstkriminelle und Mörder. Marokko legt keinen Wert auf die Geflüchteten. Klar, es wäre ja auch ein sehr mühseliger Weg, ihnen im eigenen Land bessere Chancen zu ermöglichen. Tausende Menschen, Kriminelle, Arbeitssuchende und sehr, sehr viele Arme einfach billig entsorgen und sich ihrer entledigen – das sagt genug über das Königreich aus.
Es geht auch anders. Manche afrikanische Länder ermuntern ihre junge Generation zum Dableiben und fordern sie auf, ein vom Westen unabhängiges, fortschrittliches Staatengebilde aufbauen zu helfen. Burkina Fasos Staatschef Ibrahim Traore geht diesen Weg. Und setzt damit Zeichen, dass er der Jugend eine Zukunftsperspektive bietet. Wie man hört, hat Traore die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich aufgekündigt und EU-Diplomaten ausgewiesen. Und er hat Saudi Arabien eine Absage erteilt, 200 Moscheen zu errichten. Er meint, es gebe genug Moscheen, aber was sein Land brauche, seien Krankenhäuser, Schulen und Arbeitsplätze. Irgendwo habe ich gelesen, er lehne auch die Scharia ab, oh mein Gott! Ein muslimisches Staatsoberhaupt, das die Scharia ablehnt – hoffentlich überlebt er diese Gedankenfreiheit.
Ich habe keinen Bock, schon wieder in Panik zu verfallen. Manche Quellen suggerieren, dass die 60.000 Geflüchteten und noch Vieltausende mehr bald wie Horden über Deutschland herfallen. In Italien haben wir massenweise afrikanische Geflüchtete, eher Gestrandete gesehen, die ganz jämmerlich auf der Straße und in Gebüschen leben, die den Müll nach Essresten durchsuchen und den Touristen für ein paar Lira irgendwelchen armseligen Nepp anbieten. Das ist einfach nur menschenverachtend.
Diese 60.000 oder wie viele auch immer sind junge Leute, die ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben haben. Da es ihnen keiner bietet, nehmen sie es sich. Würde ich auch tun, wenn ich sie wäre.
