Alles weg

Dienstag, Oberdürenbach. Das provisorische Wohnen an zwei Standorten, von denen einer nur Übergang ist und der andere erst noch werden muss, kratzt am Fundament. PMs Heimatlosigkeit schließt mich mit ein. Die Verunsicherung reicht weit: Bremst mich aus bei der Akquise für mein neues Buchprojekt, bei der Kontaktaufnahme mit Verlagen und meinem Agenten. Was soll ich sagen? Woher die Überzeugungskraft nehmen? Wenn mir selbst die Power fehlt?
Ein Abendspaziergang durchs Dorf. Wir laufen durch die Straßen, stellen Vermutungen an, wo hier eine Kneipe sein könnte. Eine Haustür geht auf und ein freundlicher Typ fragt, ob wir etwas suchen. Als wir es ihm sagen, lacht er: Nein, eine Kneipe gibt es nicht. Er fragt, wo wir wohnen und sagt, dass noch mehr Flutopfer im Ort untergekommen seien. Er selbst sei noch nicht in den betroffenen Ortschaften gewesen. Helfen könne er nicht, und nur gucken möchte er nicht. In Dernau und Walporzheim sei sein Sohn als Helfer eingesetzt gewesen, da sei alles weg.
Wir freuen uns über die Spontanität des Mannes. Wer öffnet schon seine Tür, nur weil Fremde vorübergehen?
In so einem Dorf musst du mal nicht ins Altersheim, sagt PM.

Flutkatastrophe im Ahrtal / Walporzheim