Mein Herrnhuter Stern

Dienstag. Jetzt hängt er wieder – mein rotweißer Herrnhuter Stern, im Wohnzimmer an der Deckendose befestigt, ein bisschen verknickt in den Spitzen, ein bisschen verbeult durch dreijährige Verbannung in die Kammer, und er ist Weihnachten und Kindheitserinnerung und Tradition und Geheimnis …

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Langer Samstag

Sonntag. Gestern Abend Das Versprechen (nach Dürrenmatt) im LTT gesehen. Gute Kritik im Schwäbischen Tagblatt. Schwieriges Thema für ein Theaterstück und wenn man den Roman kennt. Bin fast eingeschlafen, PM auch. Kann auch einfach an Überlastung und zu wenig Schlaf liegen. Kann auch daran liegen, dass wir eine Woche zuvor in Forever 27 (u.a. mit Jennifer Kornprobst) waren und anschließend einen tollen Abend in der LTT-Kneipe hatten. Solche Erfahrungen lassen sich nicht mal so eben wiederholen.
Danach (!) waren wir einkaufen: Alles für unsere jeweiligen Weihnachtsfeste mit unseren jeweiligen Lieben und was man sonst noch so braucht: Von 23 bis 24 Uhr bei REWE in der Weststadt. Bisschen strange, bisschen gefährlich. Bin sehr anfällig für das Modell ‚Mach die Nacht zum Tag‘. Zwischendurch ging dauernd PM’s Telefon wg. diverser Patienten mit diversen Komplikationen. Die rufen nachts ihren Arzt an!
Danach in der Kelter einen Prosecco getrunken und festgestellt, dass das Leben ganz schön anstrengend ist.

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Weihnachten

Freitag. Weihnachten nun doch alles ganz anders.
Anruf von T.: Er kommt mit Freundin und möchte bei mir feiern.
W., dem ich sofort eine Nachricht schreibe, meint daraufhin, dann feiert er auch bei mir, weil er doch mit mir mehr zu tun hat als mit Dorle.
Dorle, die gastfreundlichste Weinachtsfeierin der Welt, nimmt es mit Fassung. Bin mir nicht sicher, ob sie nicht gar ein winziges bisschen erleichtert ist.
Seltsam, erst gestern Vormittag habe ich mich im Vorbeigehen bei Blumen-Bisinger erkundigt, ob sie Weihnachtsbäume nach Hause liefern. Wieso habe ich danach gefragt? Da wusste ich doch noch gar nichts, oder doch?
Jedenfalls hat mich die Zusicherung, dass mir ein Baum gebracht werden könnte, auf eine spürbare Weise beruhigt. Zum Beispiel, weil ich kein Auto habe (mit dem ist ja M. vor zwei Jahren abgetaucht). Weil die Sache mit dem Baum mich leicht überfordert. Ich habe mir gesagt, gut, dass ich dieses Jahr nochmal bei Dorle bin und mich um diese Dinge nicht zu kümmern brauche, und gleichzeitig war ich beruhigt wegen dem Baum.
Und dann kam T.’s Anruf.
Über den ich mich total freue. Warum ist fucking Weihnachten so wichtig? Warum ist es mir so wichtig, wieder selber und bei mir zu Hause zu feiern? Irgendwie ist es ein Zeichen von In-der-Welt-Sein. Von Gesundsein. Von Familie. Von Familienmittelpunkt.
Du musst dich um vieles kümmern, du brauchst also den Baum, Geschenke, Essen, eine Idee, was du kochst, einen Plan, was ihr so macht den ganzen Abend, und du fragst dich, wie soll ich das denn alles schaffen, aber du weißt genau: Du wirst es schaffen. Wie immer.
Das zu wissen, aus eigener Erfahrung zu wissen, das ist ein gutes Feeling.
Weihnachten. Bei mir. Zu Hause.
(Und Dorle sehe ich dann am 1. oder 2. Weihnachtstag.)

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Collage XII

Grrrmmmm, puff, knall, peng!
Hallo, ihr Süßen,
und Platz da!
einmal musste er ja kommen
der Goldene Reiter
im Kampf um mein Herz und meinen Spitzenhandschuh.
Ins Visier genommen und abgedrückt
und mitten ins Herz getroffen
– Herzblut, Herzenswünsche –
mit seinem coolen Lächeln unter schwarzem Wimpernschlag
und droben leuchten die Sterne
blau –

 

 

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I Can’t Breathe* – Col. XI

Ich kann nicht atmen
Immer am Rand
Wir alle in einem Boot
Und alle sind sich einig
Im Fluss der Masse
Schwimmt niemand gegen den Strom
Niemand sei allein
In guten wie in schlechten Zeiten
Einer für alle und alle für einen
Und alle für sich
und einer allein
Ganz allein
Zynischer gehts nicht

(*NBA Derrick Rose 08.12.14)

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Heute

Freitag. Heute rollt der letzte Wagen vom Band. In Bochum schließen die Opelwerke, die 1962 auf Bergbaugelände aufgebaut wurden.

Heute Mittag ist Weihnachten bei mir ausgebrochen. Ganz plötzlich, nach zwei Jahren Abstinenz, bin ich über meine Weihnachtskartons hergefallen und hab Engel aufgestellt und Tannenzweige mit Sternen und Kugeln behängt und Lichterketten um Geländer und Regale gewickelt und Leuchter geputzt und den verratzten Blechnikolaus an die Wohnungstür gehängt. Die Glocken der katholischen Kirche nebenan fingen an zu läuten, und da habe ich auch noch die Krippe rausgeholt und genau da aufgebaut, wo sie immer stand. In meinem alten Leben.

Schön. Warm.

Heute war ich einkaufen. Erst bei Netto, dann auf dem Markt, dann beim Metzger. Diese Sache mit dem Einkaufen …

Heute habe ich ein Gespräch mit meiner Mutter abgebrochen. Mit einer neuen Leichtigkeit, über die ich sehr verwundert war.

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Collage X

Es regiert die Hoffnung
DA DA
Da geht noch was
Worte wie Balsam
Glaube
Hoffnung
Liebe (Jedem seine Schnulze)
Noch mehr Liebe
Noch mehr –
YES YES
Ich bin dabei

I can
We can

change the world?

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Collage IX

Lange Liste voller Wünsche
Kreidestriche an der Tür
Bratäpfel im Hof
Macht auf die Türchen
Tag der offenen Tür
Solidarität für Aidskranke!
Der Baum steht schon
Besinnliches auf das Mobiltelefon
Dringend:
Seelsorger gesucht
für Telefonberatung

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Tschernobyl, Fukushima, Saporoschje?

Mittwoch. Dementis sind die erste Bestätigung eines Gerüchts.

In der Ukraine, im Atomkraftwerk Saporoschje, ist ein Zwischenfall gemeldet worden. Die Meldungen sind, wie das so ist, widersprüchlich. Handelt es sich um einen Atomunfall mit unabsehrbaren Folgen, wie Ministerpräsident Jazenjuk es benennt, oder um einem Störfall, von dem keine Gefahr ausgehe, wie von Energieminister Wolodimir Demtschischin behauptet?

„Es gibt keine Probleme mit den Reaktoren“, sagte der Minister am vergangenen Mittwoch. Bis kommenden Freitag würden die Probleme (welche dann?) behoben sein.

Der dritte Block des AKW ist vor sechs Tagen abgeschaltet worden. Erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden, so die Leitung des AKW. Darüber hinaus gibt es so gut wie keine Informationen.

Alles ganz harmlos!, hieß es auch im April 1986. Und dann verfolgte die Welt mit schreckgeweiteten Augen vor den Fernsehgeräten, wohin es die radioaktive Wolke aus Tschernobyl/Ukraine trieb und um welche Teile der Erde sie sich legte.

Der harmlose Zwischenfall in Tschernobyl entpuppte sich als eine der schlimmsten Atomkatastrophen weltweit, bis er 2011 von Fukushima eingeholt wurde. Da ging es dann noch ein bisschen apokalyptischer zu.

Aber wir hören nicht mehr viel. In Japan spricht man von menschlichem statt von technischem Versagen. Japan ist nicht aus der Atomkraft ausgestiegen.

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