Helferline

Die Helferline hilft auch am (Pfingst-)Sonntag. Leider nur bei PC-Problemen, und da auch nicht immer. Es gibt ein Zusatzpaket, Computerhilfe vor Ort für 9,95 Euro / Monat. Aber den Koffer für die nächsten zwei Wochen muss ich alleine packen. Ich muss meine Wohnung zurücklassen mit einer neuen, mir unbekannten Mitbewohnerin. Ich muss das Elternhaus ausräumen, in der kommenden Woche fange ich an. Da denke ich jetzt lieber schnell weg. Da nehme ich jetzt lieber erstmal ein Bad. Und spüle die bedrückenden Bilder den Abfluss runter. Um 15 Uhr geht mein Zug. Bis dahin werde ich wohl mit allem fertig sein.

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Stille

L. ist heute Mittag abgereist. Ihre Freundin ist auch abgereist. Steve zieht um die Häuser. Karina zieht erst morgen ein. Stille in der Wohnung – Alles erledigt was zu tun war nicht gerade wenig und die Stille setzt sich auf mich drauf wie ein Plumeau fällt rechts und links herab weich und dunkel aber nicht ganz da höre ich wie ungeübt draußen Vögel Autos ein Kind das ruft – Die Sonne weiß nicht so recht was mit dem Feiertag anzufangen.

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Mensch vs Maschine

Samstag. Die drei Roboter, die beim Eurovision Song Contest vor zwei Tagen in einer Tanzperformance gegen drei echte Tänzer gebattelt haben, sind die gleichen Roboter, mit denen in T.’s Firma Flugzeugteile herstellt werden. Sie sind umprogrammiert worden. Sie schwingen Arme und lassen Hüften kreisen, sie winken und blinken, sie übernehmen die Führung und lassen melancholisch die Köpfe hängen. T. zeigt uns den Video, während wir Pizza und Salat essen: T. und L. und Steve und eine Freundin von L., die heute Nacht auch hier pennt. Ein freundlicher und entspannter Abend. Meine schönen Kinder, so schön wenn sie hier sind. Wenn

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Gewonnen

Freitag. Neues vom „Amt“: S. K. hat den ersten Platz beim Poetry Slam gemacht. Man wird noch von ihr hören, da bin ich sicher! Genau wie von L. H., die ebenfalls in meiner Schreibwerkstatt ist und die ein Theaterstück geschrieben hat, das an vier Abenden dieser Woche im Reutlinger Tonne-Theater aufgeführt wird. Sie ist sechzehn, wer schafft denn so was? (Leider haben wir keine Karten mehr bekommen, sehr schade!)

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Eine Jeans ist nicht eine Jeans ist nicht eine …

Mittwoch. Die teuersten Jeans sind manchmal die schlechtesten. Meine runtergesetzte Vanilla (die Firma ist pleite gegangen – Vanilla? Hallo? Wieso das denn?) ist ohne Fehl und Tadel, während die Cambio abfärbt und krümelt. Jedesmal, wenn ich die Hände in die Hosentaschen stecke, sind sie danach blau. Leichenblau, wie meine Beine auch. Und immer diese Krümel, auf dem Boden, in der Waschmaschine, überall. Reklamation ausgeschlossen: „Die sind jetzt so, das ist die Farbe. Die Anilinfarbe!“, sagt die Verkäuferin in so einem Ton und reißt die Augen auf, als teile sie ab jetzt einen special Insider mit mir. Geht man der Sache googelnd auf den

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Gewinn und Verlust

Montag. L. für eine Woche wieder zu Hause zu haben, das ist einfach nur superschön. Du siehst sie an und weißt, was du geleistet hast. Nach der Arbeit, nach Shopping beim Zinser und Einkaufen im Marktladen machen wir uns Spargel mit Crepes, und nach dem Essen gucken wir lineares Fernsehen, das es, wenn es nach dem Willen von WDR-Intendant Tom Buhrow ginge, bald nicht mehr gibt. Es gibt auch bald kein Bargeld mehr, wie mein Banker mir kürzlich bestätigte. Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins sei der Einstieg: Danach, wenn es kein Bargeld mehr gibt, sind alle Leute gezwungen, ihre Vermögen bei der Bank

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Passt

Sonntag. Alles passt. Meine Mädels haben gut gelesen, das Publikum war wohlgesonnen, das Wetter hätte nicht besser sein können und PM war dabei. Viele Leute getroffen, neues Projekt für meine Schreibwerkstatt an Land gezogen (die Mädels fungieren als Jury beim Fridolinpreis der Stiftung Weltethos). Anschließend mal wieder in der Kelter bei einer Flasche Sekt und einem ausgezeichnet gemixten Swimming Pool den Tag ausklingen lassen, bzw. der Tagesereignisse gedacht. Auf dem Heimweg gab es die traditionelle Currywurst vom X, die laut PM fast an die Thüringer Wurst ran kommt. Durchs nächtliche – und inzwischen ziemlich menschenleere – Tü nach Hause gelaufen.   (Tübinger Kulturnacht, 7. Mai 2016)

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Pepys geheime Tagebücher

Samstag. Wenn ich morgens mies drauf bin, schlage ich vor dem Ausdemhausgehen ein Kapitelchen aus Samuel Pepys Geheimen Tagebüchern auf. Das mache ich schon seit Jahren so. Es gibt nichts Erstaunlicheres in der ges. Literaturgeschichte als diesen anzüglichen und anrührenden Mix aus Privatem und Politischen aus dem England des 17. Jahrhunderts. Pepys muss ein Lebenskünstler gewesen sein – gechillt (um das Wort heiter zu umgehen) und klug und immer für eine Überraschung gut.

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