Jetzt in der Sekunde

Freitag, B.N. Den Tag heute bei 24 Grad und Sonnenschein in Köln mit L. verbracht (wärmster März seit Klimaaufzeichnung). Entspannt über alles mögliche gequatscht, gute, peacefulle Stimmung. In der S-Bahn leuchtet plötzlich das Datum auf, 31.03.2017, die roten LED-Ziffern brennen sich in meine Netzhaut, und das ist einer dieser Augenblicke, wo du denkst, jetzt in der Sekunde stimmt irgendwie alles – kein falsches Wort, statt dessen lauter richtige Wörter – die Zeit hält den Atem an, und das willst du dir bis in alle Ewigkeit merken. Abends zum Konzert in die Bonner Harmonie. Weil ich seit Tagen üblen Heuschnupfen habe und

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Menschenmaterial

Der Dieb von Fuminori Nakamura ist wieder mal ein Buch, das Spaß macht. Spaß im Sinne von Genuss. Es ist die Geschichte eines Taschendiebes aus Tokio, der durch Verstrickungen in der Vergangenheit in die Hände eines mächtigen Unterweltmoguls fällt. Für dieses menschliche Monster, hinter dessen Maske des virtuosen Strippenziehers nichts als ein gelangweilter, psychopathischer Sadist zum Vorschein kommt, muss er einen Auftrag ausführen. Mit reduzierter Sprache führt uns der Autor in die Finsternis und Kälte des Metropolen-Undergrounds und zugleich in die Seelenabgründe seiner Protagonisten: eines Diebes, der den Anschluss auf die andere Seite der Gesellschaft verpasst hat, und eines kriminellen

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Tangente

Samstag / Sonntag. Mit PM, T. und J. im Gutenberg zu Abend gegessen – schöne Konstellation. T. und J. erzählen Skurriles aus ihren Arbeitswelten und aus dem Tübinger Underground (sie schaffen diesen Spagat). T. schwer übermüdet, aber zufrieden, nachts und am Wochenende ist er mit Schnitt beschäftigt, noch im Herbst kommt die neue CD auf den Markt. Abschieds-Drink: Nach 46 Jahren schließt die Tangente Jour. Miss you! Gehört die Tangente nicht zu Tübingen wie Rathaus und Stiftskirche, ungefähr? Wie oft haben wir da gesessen, drinnen in der Fensternische oder draußen, wenn es langsam dunkel wurde … PM’s Männerseele. Sitzt in den intensivsten Augen

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Ich bin so frei

Ich ertrage keine Trump-News mehr. Gähnende Langeweile befällt mich, wenn ich eine Seite aufmache oder ein x-beliebiges TV-Programm einschalte, und Trumps jüngste Vergehen werden analysiert, als gäbe es nichts anderes mehr auf dieser Welt. Alle sind sich längst einig. Alle haben ja längst begriffen: Donald ist ein machtgeiler Volltrottel, Egomane, Wahnwitziger. „Die Meinungsvielfalt verteidigen wir, indem alle das Gleiche sagen.“ Schreibt Harald Martenstein in seiner Zeit-Kolumne vom 23. Februar 2017. In die Einstimmigkeit zu verfallen, scheint immer trendiger zu werden. Eine Haltung, geradezu. Ist ja auch sehr kuschelig so im Verein mit vielen, vielen Gleichgesinnten. Zu 100 Prozent ist Schulz

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Ambitioniert

Donnerstag. Würde heute gerne folgende Wörter aktiv anwenden: Ambitioniert Anverwandeln Voll diesseitsorientiert (als Vorwurf) Das kriegen wir hin. 20.30Uhr Ambitioniert no problem, lässt sich überall unterbringen. Anverwandeln hat immerhin einen Disput unter Kolleg*innen angestoßen, ob das Nomen (Anverwandlung) nicht besser funktioniere als das Verb. Volle Diesseitsorientiertheit konnte ich aktuell niemandem unterstellen. Auf morgen verschoben. Das  kriegen wir hin ist der Knaller! Die Leute gucken dich überrascht an – wohl wegen dem Wir – und sind begeistert.

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Die weise Ente

Auf dem Fahrradweg sitzt eine Ente. Vielleicht, jahreszeitmäßig bedingt, auf der Suche nach dem optimalen Nistplatz? Vor ihr liegt die Europastraße, hinter ihr der voll besetzte Parkplatz. Sie bleibt jetzt erstmal da sitzen.

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Der Preis

Sonntag, B.N. Familienfeier. 90. Geburtstag. Morgenhektik. Schnell noch. Schnell noch Bluse bügeln. Welche Temperatur? Keine Ahnung, Hauptsache glatt. Denk ich. Plötzlich lange, weiße Streifen auf dem Stoff. Ich starre hin und kapiere gar nichts. Bis mir dämmert, dass das Risse sind: Durch lange Risse schimmert das Weiß des Bügelbezugs. Auf dem meine Bluse festklebt, was für eine Scheiße! Als ich sie abziehe, steht sie in die Luft wie Plastikfolie. Und so fühlt sie sich auch an. Seide mit geschmolzenem Elastan. Fuck! Die Bluse ist hin. Unwiderruflich. Sie war teuer. Verdammt teuer. Viel zu! Mein sozialistisches Gewissen meldet sich. Hättste doch!

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Dialoge

Samstag Mittag vor dem Schaufenster eines kleinen Kaufhauses in B.N. Sie: Guck mal der Tisch da – Er: Ja – Sie: Der ist richtig schön! Er: Die haben oben in der zweiten Etage auch Möbel. Sie: In der zweiten Etage? Da waren wir noch gar nicht. Er: Brauchen wir Möbel? Sie: Nee –   Mutter (über ihren 90. Geburtstag): Kommt PM denn auch mit? Ich: Ja, der kommt mit. Mutter: Ach, das ist ja schön. Dass ich den nochmal sehen kann. Ich: Hat extra seine Bereitschaft verlegt. Sonst ginge das ja gar nicht – Mutter: Hoffentlich kann ich dich auch mal alleine sprechen.

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Kinder für den Führer

„Habt fünf Kinder, nicht drei!“, shoutet Erdowahn den in Deutschland lebenden Türken über den Bosporus zu, weil ihm ja nun mal der Wahlkampf direkt in Deutschland verboten wurde. Verbote inspirieren manche zu verbaler Höchstform … auch solche Unterbegabten ohne emotionale Intelligenz … Politik ist halt doch ein harter Job. Nicht jeder kriegt einen Palast mit 1000 Zimmerchen und goldener Toilettenschüssel hingestellt … Und goldenem Thron, auf dem Uns Angie auch schon hocken durfte …

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